Auch Gott hat viele Namen!

Gottesdienstreihe in gerechter Sprache

Sprache kann die eigene Glaubenswelt verändern. Dabei spielt das Wissen um die Vielfalt der Geschlechter eine entscheidende Rolle bei den Wandlungsprozessen gottesdienstlicher Sprache, wenn der Anspruch gilt, dass niemand ausgeschlossen werden soll. Um die theoretischen Erkenntnisse einer gendersensiblen Theologie in der Praxis auszuprobieren, findet in der zweiten Jahreshälfte 2020 und 2021 eine Gottesdienstreihe in gerechter Sprache statt. Diese wird in Kooperation mit den Kirchenkreisen Hamburg Ost und Hamburg West/Südholstein, der Beauftragten für Geschlechtergerechtigkeit und dem Frauenwerk der Nordkirche durchgeführt. Interessierte Prediger:innen probieren in ihren Gottesdiensten aus, wie sich eine geschlechtliche Vielfalt sprachlich und liturgisch abbilden lässt. Die einzelnen Termine finden Sie ab Mitte Juli unter www.frauenwerk-hhsh.de oder hier: Termine Gottesdienst in gerechter Sprache

Die Reihe wird am Sonntag, den 9. August 2020 um 11.00 Uhr in der Hauptkirche St. Katharinen von Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann eröffnet. Der Titel des Gottesdienstes lautet: Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht!

Bitte erkundigen Sie sich vorher über die geltenden Corona-Bedingungen und beachten Sie die für die Kirchen geltenden Hygieneregeln.

Außerdem findet am 21. September ein Workshop zum Thema mit verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Um Anmeldung wird bis zum 3. September gebeten. Alle Infos dazu hier ⬇

Mutmach-Lied für den Sommeranfang

Das Licht dieser Welt

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Für einen entspannten Start in den Sommer, für eine lange Sommernacht, zum Träumen und Trösten und natürlich zum Mut-Machen: dieses kleine, schöne Lied von Gisbert zu Knyphausen: Das Licht dieser Welt.

Gisbert zu Knyphausen – Das Licht dieser Welt [Hauskonzerte Live Session]

Das Licht dieser Welt – von Gisbert zu Knyphausen

Du wirfst dich hinein in das Licht dieser Welt. Dann fängst du an zu schrei’n. Es kommt ein Mensch, der dich hält. Und die Liebe, die du spürst, wirst du nie wieder verlier’n. Sie ist für dich da bis der Vorhang fällt.

Kaum ist die Nabelschnur ab, schon steh’n wir alle auf dem Schlauch. Das Chaos hier ist unendlich, doch die Liebe ist es auch. Nur deine Tränen sind es nicht, sie verändern nur die Sicht auf das, was du brauchst und das, was nicht.

Und wenn du lachst, geht alles wie von selbst. Schau‘ wie die Freude kommt und alles hier auf den Kopf stellt. Und denk‘ immer d’ran, selbst wenn das Unglück dieser Welt mal auf deine Schultern fällt: Ein neuer Tag wartet schon auf dich am Ende jeder noch so langen Nacht.

Ich wünsch‘ dir den Mut, dir zu nehmen, was du brauchst, ein lachendes Herz und Freunde zuhauf mit denen du reisen kannst, soweit wie eure Vorstellungskraft reicht. Diese Welt ist voller Wunder und ihr auch, ihr auch, ihr auch.

Und wenn ihr lacht, geht alles wie von selbst. Schau‘ wie die Freude kommt und alles hier auf den Kopf stellt. Oh, ich wünsch dir, dass immer jemand da ist, wenn du fällst, dir aufhilft und dich hält und dir ein Frühstück macht am Ende einer langen Nacht.

Und deine Zweifel und die Wut, die gehör’n zum Leben mit dazu. Doch verlier‘ dich nicht darin, denn die Liebe, die du gibst, das ist die Liebe, die du kriegst.

© Gisbert zu Knyphausen, 2017
Klatschmohn
[by Gertrud K. via Flickr]

Elfchen zum Jahresthema

Mut wächst poetisch

von Christina Löwe-Bruhn, Schleswig

[by Pezibear via Pixabay]

Hoffnung
Mut wächst
braucht stetig Nahrung
jeden Tag aufs Neue
Zuversicht

Gott
hilf, dass
Mut wachsen kann
in mir und anderen
Danke

Mut
wächst langsam
nur ganz langsam
ich schaue dabei zu
geduldig

trotzdem
will ich
Mut wachsen sehen
aus Ängsten und Zweifel
heraus

Demut
ist auch
nur eine Spielart
von wachsendem Mut in
Krisenzeiten


[by Innviertlerin via Pixabay]

Die Autorin über sich:

Ich arbeite seit vielen Jahren im Frauenwerk Schleswig-Flensburg als Ehrenamtliche. Seit 2009 bin ich Mitglied im Frauenwerksbeirat des Kirchenkreises,  jetzt Vorsitzende der Delegiertenkonferenz. Zu dem vorherigen Jahresmotto Und siehe: Morgen war alles gut haben wir im Gesprächskreis einmal Elfchen geschrieben. Das kam gut an. Daher hatte ich nun die Idee, dass das auch eine schöne Art ist, sich dem jetzigen Jahresthema kreativ zu nähern. Leider finden Gruppentreffen ja im Moment nicht statt, aber vielleicht geben meine Elfchen anderen den Anstoß, sich auch daran zu versuchen und sich ggf. schriftlich auszutauschen.

Herzliche Grüße von der Schlei, Christina Löwe-Bruhn

Andacht am Pfingstsonntag

Sie weht, wo sie will.

Von Katja Hose, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Sie weht, wo sie will.“ – von Katja Hose
Katja Hose

Mut wächst! Das gilt ganz besonders für die Freund*innen von Jesus zu Pfingsten. Sie sitzen wartend an einem Ort zurückgezogen beieinander. Plötzlich trauen sie sich hinaus – mitten hinein in die Vielfalt der Menschen und erheben ihre Stimme. Gottes Heilige Geistkraft setzt diese Dynamik in Gang. Sprechen, zuhören, antworten, verstehen – alle gemeinsam über Sprachbarrieren hinweg – das ist für mich Pfingsten, das begeistert mich bis heute. Aber wird dieser Funke zünden in unseren Kirchen, in denen wir jetzt im weiten Abstand voneinander sitzen und hinter den Gesichtsmasken murmeln und mitsummen? Die Vorstellung, dass die Heilige Geistkraft uns Menschen wirklich pfingstlich ergreift, aus den Kirchenbänken zieht, Fremde miteinander in den Kontakt bringt und sich ansteckend untereinander fortpflanzt, wird wohl allen Verantwortungsträger*innen in diesen Tagen den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Findet die Geistkraft überhaupt zwischen den mit Sorgfalt ausgearbeiteten und diszipliniert umgesetzten Sitzordnungen Raum? Ich mache mir da keine Sorgen. Sie weht, wo sie will. Sicherheitsabstände sind für sie keine Hürde. Ihr frischer Wind vermag den Corona-Blues zu vertreiben. Und dabei muss kein Mensch unvorsichtig werden.

[by MW via Pixabay]

Was lässt mich auf diesen Geist des Lebens, den Gott pfingstlich ausgießt, vertrauen? Dingfest machen, in Besitz nehmen, für sich pachten lässt die Geistkraft sich nicht, aber dieses wunderbar lautmalerische hebräische Wort weist mir die Richtung:  Die „Ruach“ raunt bei jedem Atemzug durch meinen Körper. Dieses hebräische Wort kann „Atem“, „Wind“ oder auch „Geist“ bedeuten.  Wenn ich ganz bewusst tief Luft hole und dann wieder ausatme, komme ich zu mir selbst, finde meine Ruhe und spüre, wie ich unwillkürlich etwas tue, was zugleich mit mir geschieht. Gottes Geistkraft muss sich nicht unbedingt ekstatisch, laut und alles durcheinanderwirbelnd in unsere Welt mischen. Sie kennt auch ganz andere Wege. Mein stilles Atmen verbindet mich mit ihr und lässt mich lauschen. Ich strecke mein Ohr aus nach dem sanften Sausen, mit dem zum Beispiel Elia Gottes Nähe spürte, als er sich in die Felsspalte am Horeb zurückzog (1. Könige 19). Ein Mund-Nasenschutz, der sinnvollerweise bei Begegnungen zu tragen ist, hält die Tröpfchen mit den Viren auf. Meine Verbindung zu Gottes Lebenskraft lässt sich dadurch aber nicht stören. Mein Atem weist mir die Richtung, wie ich der Geistkraft nachspüren kann.

Im Pfingstgeschehen liegt aber noch mehr als die spirituelle Erfahrung, dass Gottes Kraft mich wie mein Atem durchströmen kann. Pfingsten zeigt, dass Gott nicht nur in einzelnen besonderen Persönlichkeiten wirkt, sondern die Heilige Geistkraft zu allen Menschen in ihrer großen weltweiten Vielfalt kommt und sie einander verstehen lässt. Das macht mir Hoffnung in diesen Tagen und lässt meinen Mut wachsen.

Die Corona-Pandemie bringt Gefahr und Leid mit sich. Sie trifft in ihren Auswirkungen diejenigen besonders hart, deren Leben ohnehin schon durch Ungerechtigkeit geprägt war. Weil das so ist, kommt es jetzt darauf an, nicht so schnell wie möglich zur alten Normalität zurückzukehren. Denn vieles von dem, was uns als normal und selbstverständlich gegolten hat, ist darum nicht zugleich richtig und gut.

Pfingsten inmitten der Corona-Pandemie zu feiern, das heißt für mich, dem Wirken der Heiligen Geistkraft Raum zu geben, sich jetzt nicht einfach in den Strudel der vermeintlichen Normalisierung hineinziehen zu lassen, sondern auf  den Geist der Wahrheit zu lauschen. Nach dem Johannes-Evangelium verabschiedet sich Jesus von den Seinen mit der Zusage, dem Trost, dass er Gott um den Geist der Wahrheit bitten wird (Johannes 14,16f). Und die Wahrheit wird frei machen (Johannes 8,32).  Eine App, die uns Kontakte mit Infizierten meldet, ein Impfstoff gegen das Corona-Virus oder die weitere Beschleunigung unserer Kommunikation in der digitalen Welt werden uns nicht frei machen. Sie können nützlich sein und uns helfen, aber befreien werden sie uns nicht. Wirtschaftliche Hilfen für Menschen in Not sind absolut wichtig, aber wenn es nur darum geht, den Konsum wieder anzukurbeln, dann wird die Chance aus der Krise zu lernen verpasst.

Wenn ich in diesen Pfingsttagen in mich hineinhorche, dann höre ich ein Raunen, das mir sagt: Jetzt ist die Zeit, um Grundlegendes in unserem Zusammenleben zu verändern. Wir alle benötigen Fürsorge. Also muss Care-Arbeit gerecht verteilt, gestaltet und bezahlt werden. Wir alle wollen gut leben. Also muss sich unser Wirtschaften  am Gemeinwohl orientieren. Wir alle sind  Teil von Gottes wunderbarer Schöpfung. Also muss sich unser Umgang mit der Erde, mit Tieren und Pflanzen grundlegend ändern.  Die Corona-Krise zeigt uns wahrhaftig, wo wir stehen. Wir können jetzt unsere Chance erkennen und handeln.

[by Kiều Trường via Pixabay]

Dies sind meine Gedanken. Ich behaupte nicht, dass  der Geist der Wahrheit sie mir einflüstert. Das wäre vermessen. Pfingsten  zeigt mir aber deutlich: Gottes Geist kommt zu allen Menschen in ihrer großen Vielfalt und schenkt gegenseitiges Verstehen. Das macht Mut, jetzt  nicht schnell zur althergebrachten Tagesordnung überzugehen, sondern sich ernsthaft Zeit für die anstehenden Fragen zu nehmen und die Debatten mit allen zu führen. Verständigung und gemeinsames Handeln sind nicht nur möglich in der Corona-Krise, sondern Gottes Weg mit uns Menschen. Gottes Geistkraft nutzt auch den Sicherheitsabstand zwischen uns und öffnet jetzt unsere Augen und  Herzen für die Wahrheit. Mut wächst.

Die Musik aus dem Andacht-Stream:

„Mut – was ist das?“

Eine Andacht zum Jahresthema

von Julia Jünemann, Frauenarbeit Plön-Segeberg


Eröffnung: Lasst uns Andacht feiern im Namen Gottes, der Kraft, die uns mit Liebe ins Leben gerufen hat, im Namen Jesu Christi, der in Liebe an unserer Seite steht und im Namen der heiligen Geistkraft, die uns jeden Tag neu mit Liebe erfüllen will. Amen.

Lied: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, Str. 1-2 [in: Himmel Erde Luft und Meer Nr. 80 od. Gottesklang Nr. 27]

Austausch mit der Postkarte: Mut wächst! Welche Worte mit Mut fallen mir ein? Welches gefällt mir am besten?1

Impuls: Mut – was ist das? Ein Blick in das Herkunftswörterbuch. Mut kommt aus dem Germanischen und steht ursprünglich für nach etwas trachten, heftig verlangen, erregt sein. Das gemeingermanische Wort bezeichnete die triebhaften Gemütsäußerungen und seelischen Erregungszustände und wurde häufig in Sinne von Zorn verwandt. In späteren Zeiten bezeichnete es den Sinn und die wechselnden Gemütszustände der Menschen. Das englische mood erinnert daran: I’m in a good mood; I’m in a bad mood. Die heute vorherrschende Bedeutung Tapferkeit, Kühnheit setzte sich erst seit dem 16. Jh. stärker durch.

Die ursprüngliche Sprachwurzel zeigt uns: Mut ist nichts, was von außen auf uns zu kommt, sodass wir es einfach annehmen könnten. Mut entsteht tief in uns selbst. Mut braucht innere Bewegung. Mut braucht einen Antrieb, ein Ziel, auf das er sich richten kann und mit dem wir innerlich verbunden sind. Dann kann Mut wachsen.

Ein Blick in die Bibel, in der es viele mutige Menschen gibt, aber das Wort Mut nur selten vorkommt. Im zweiten Korintherbrief lesen wir: „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi, denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2. Kor. 12,10)

Darin finden wir „guten Mutes“ als eine Haltung in schweren Zeiten. Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich habe Hoffnung. Und gleichzeitig drückt sich die Tapferkeit und Stärke aus, die es angesichts von Nöten, Verfolgungen, Ängsten braucht. Der starke Antrieb, das hohe Ziel, mit dem sich der Mut verbindet und aus dem er sich speist, ist die Nähe zu Jesus Christus. Der Mensch, der mit Jesus verbunden ist, weiß, dass sie oder er auf dem richtigen Platz steht und dass es sich lohnt, dafür mutig zu sein.

Ich wünsche uns diesen Mut auch. Ich wünsche uns Geborgenheit in unserem Glauben und tiefe Überzeugung für unsere Werte. Dies sind die Wurzeln für einen Mut, der dann wächst, wenn er gebraucht wird.

Austausch

Lied: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, Str. 3-4 [in: Himmel Erde Luft und Meer Nr. 80 od. Gottesklang Nr. 27)

Gebet: Gott, Du hast uns das Leben geschenkt und siehst voller Liebe in unsere Herzen. Wir bitten Dich, schenk uns täglich neuen Mut für unser Leben und die Sorge um die Menschen, die du uns anvertraut hast. Schenk uns Mut, unserer Schuld ins Gesicht zu sehen und sie vor Dich zu bringen, und schenk uns auch den Mut, auf die zuzugehen, die an uns schuldig geworden sind.  

Gott, wir wissen nicht, was der nächste Tag uns bringen wird. Lass uns nicht den Mut verlieren, wenn wir Verluste erleiden und unser vermeintlich sicheres Leben sich dramatisch verändert. Denn auf Dich können wir trauen. In Dir sind die Liebe und die Kraft, und Du versprichst uns Leben in Ewigkeit. Amen.

Segen: So segne uns Gott mit dem Mut, der aus Gottes Liebe erwächst. Amen.


Download:

  1. Bestellung von Postkarten und anderen Materialien zum Jahresthema – siehe Bildrand ➡

Mut zu echten Begegnungen

Klappstuhl-Gespräche in Altholstein

von Chantal Schierbecker, Frauenwerk Altholstein


Mein Mut wächst gerade, so wie Wildkräuter und Stauden in meinem Garten wachsen. Mein Mut zu echten Begegnungen wächst. In den vergangenen Wochen führte ich Telefongespräche mit Frauen aus unserem Kirchenkreis oder traf mich per Videokonferenz mit Kolleg*innen. Das war gut so. Nun denke ich – wir sollten einfach mal wieder reden, im direkten Kontakt sein und einander dabei in die Augen sehen. Deshalb haben meine Kollegin, Pastorin Natascha Hilterscheid, und ich ein kleines Format entwickelt – wir nennen es Klappstuhl-Gespräche.

Chantal Schierbecker
[Foto: Roman Jan Szymura]

Die Idee ist einfach. An zwei Wochentagen laden wir abwechselnd ein zum persönlichen Gespräch im Freien mit den Spielregeln: zwei Klappstühle – zwei Personen – zwei Meter Abstand. Wir möchten miteinander in den Gedankenaustausch gehen über das, was bewegt im Innen und Außen und den Themen Raum geben, die gerade für jede Einzelne bedeutsam sind. Unser Jahresthema der Frauenarbeit „Mut wächst“ ist ein Leitfaden für unsere Gespräche. Mut, Mut behalten, Mut gewinnen, Mut wachsen lassen für die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

Die Idee der Klappstuhl-Gespräche wird inzwischen in einigen Gemeinden unseres Kirchenkreises aufgenommen. Wir freuen uns, wenn an vielen Orten Frauen wieder analog miteinander ins Gespräch kommen – und es einen kleinen Hinweis auf uns Ideengeberinnen aus Altholstein gibt. Fruchtbare Gespräche und wachsenden Mut wünsche ich!

So ist der Himmel! | Eins

Eine Andacht zum Schauen und Besinnen am Morgen ⛅

Texte: Magda Hellstern-Hummel / Frank Puckelwald, Gemeindedienst der Nordkirche


Gebet

Ich sitze vor Dir, Gott. Aufrecht und entspannt.

In diesem Augenblick lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los.

Ich lege sie in Deine Hände.

Gott, ich warte auf Dich. Du kommst auf mich zu.

Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.

Du bist der Grund meines Seins.

Öffne mich für Deine Gegenwart, damit ich immer tiefer erfahre,

wer Du bist und was Du von mir willst.

Amen.

nach Dag Hammarskjöld

„Du durchflutest mich mit Deinem Geist!“ | Foto: Franziska Pätzold

Ist da Mut gewachsen…?

Ein Kommentar zu „Männerwelten“

von Susanne Sengstock, Frauenwerk der Nordkirche


Shows privater Fernsehsender und deren Moderator*innen sind mir eigentlich egal. Vor Jahren habe ich mal auf Drängen meines Sohnes mit ihm „Joko und Klaas“ angeschaut und fand die Sendung ziemlich dämlich. Derzeit wird ihr Fernsehbeitrag „Männerwelten“ vielfach diskutiert. Joko und Klaas hatten bei einem Spiel gegen ihren Sender fünfzehn Minuten Sendezeit zur Primetime gewonnen. Sie füllten diese Sendezeit mit einem Gang durch die Ausstellung „Männerwelten“. Sie selbst sind allerdings nicht zu sehen. Durch die Ausstellung führt Sophie Passmann, feministische Journalistin und Autorin des Bestsellers „Alte weiße Männer“.

„Männerwelten“ ist eine fingierte Ausstellung zum Thema sexualisierte Gewalt an Frauen. Es ist mutig und bemerkenswert, dass Joko und Klaas Sexismus um 20.15 Uhr offen thematisieren. Mehr als 2 Millionen Menschen sahen den Beitrag im Fernsehen. Bei Youtube wurde er mehr als 3,6 Millionen Mal aufgerufen. Mut ist gewachsen, wenn Sexismus kein Tabu-Thema mehr ist, sondern öffentlich angeprangert wird. Bekannte Moderatorinnen erzählen, wie sie sexuell belästigt werden, unbekannte Frauen in welcher Kleidung sie vergewaltigt wurden.

Natürlich wurde der Beitrag auch kritisiert, u.a. weil in der Ausstellung keine Gewalt an Transfrauen, an nicht-weißen Frauen, keine Partnergewalt thematisiert wird. Und auch Joko und Klaas fehlt es noch an Mut. Denn dass die beiden den Beitrag nicht mit einer Entschuldigung oder einer kritischen Selbstreflexion versahen, ist mehr als bedauerlich. 2012 waren sie nämlich selbst übergriffig und grabschten mit ekelhaften Kommentaren vor laufender Kamera einer Frau an Brust und Po und fanden es noch lustig. Da kann noch mehr Mut wachsen!

Wer die wirklich sehenswerten 15 Minuten sehen möchte, klicke hier:

Männerwelten – Belästigung von Frauen | Joko & Klaas

Aber Achtung: Die Trigger-Warnung zu Beginn ist ernstzunehmen!

Andacht am Sonntag Rogate

Schweige und Höre

Von Silke Meyer, Frauenwerk Lübeck-Lauenburg


„Schweige und Höre“ – von Silke Meyer

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr

… das riet vor über 1000 Jahren Benedikt von Nursia. Und selbst heute, 1000 Jahre später ist es das, was uns besonders schwerfällt; selbst dann noch, wenn der Straßenlärm und die gewohnten Hintergrundgeräusche unseres Alltags in den vergangenen Wochen insgesamt leiser geworden sind. Und doch: Geräuschkulisse als schon süchtige Ablenkung?

Kennst Du diese Sehnsucht nach echtem Innehalten, Schweigen und Hören? Nach konzentriertem zuhören? Hören ist das erste, was wir als Mensch tun. Gerade auf die Welt gekommen, kennen wir die Stimme unserer Mutter längst – aus dem Bauch. Selbst wer im Sterben liegt, hört immer noch, was um ihn herum passiert – bis zum letzten Atemzug. Hören ist eine wesentliche Verbindung zur Welt.

Schweige und höre…

Unsere Ohren orientieren, warnen und behüten uns. Bei unangenehmen, unheimlichen Geräuschen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Beim Hören von Mozarts Requiem läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Das Ohr ist unser innigster Zugang zur Welt. Wie reagierst Du auf die QuaranTöne? Wenn ich genau hinhöre, aufmerksam zuhöre, werde ich selten getäuscht.

Was aber geschieht mit den Ohren, die das Zuhören wegen unaufhörlicher, medialer Berieselung, noch dazu oft über Kopfhörer, verlernt haben? Was wäre, wenn wir in diesen Tagen der Unterbrechung Momente der Stille zulassen? Mit dem Psalm-Wort, Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2), für eine Weile, aus der durch Lärm entstandenen Taubheitskultur herauswachsen – und aufhorchen! Was von uns selbst würden wir erhören? Das, was mir geschenkt ist, meine Lebensaufgabe, Träume und Herzensanliegen?

Das wünsche ich uns in diesen Tagen! Die eine oder andere Gelegenheit auf Nebengeräusche zu verzichten und in einer plötzlich entstandenen Stille mir selbst und der Natur im Aufbruch zu lauschen.

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Amen.

[alle Fotos von Silke Meyer]

Psalm 62

Nur bei Gott wird mein Leben still.
Von ihm kommt meine Befreiung.
Nur Gott ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken – nicht sehr.
Wie lange wollt ihr eine Einzelne bestürmen?
Wollt ihr sie morden, ihr alle,
wie eine fallende Wand, eine stürzende Mauer?
Nur das ist ihr Plan: Sie von oben herabzustürzen.
Täuschung gefällt ihnen.
Mit dem Mund segnen sie, in ihrem Inneren fluchen sie.
Nur bei Gott werde still, mein Leben!
Ja, von ihm kommt meine Hoffnung.
Nur er ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken.
Bei Gott liegt meine Freiheit und meine Würde,
Fels meiner Macht, meine Zuflucht bei Gott.
Vertraut auf ihn zu jeder Zeit, Leute!
Schüttet vor ihm euer Herz aus! Gott ist Zuflucht für uns. Sela
Nur Nebelhauch sind die Menschenwesen,
Täuschung sind Männer und Frauen.
In Waagschalen steigen sie auf, leichter als Nebelhauch.
Vertraut nicht auf Erpressung! Durch Raub lasst euch nicht vernebeln!
Wenn das Vermögen wächst, setzt das Herz nicht darauf.
Eins hat Gott gesagt, zwei sind es, die ich gehört habe:
dass Macht bei Gott ist,
und Freundlichkeit, Gebieter über uns, bei dir,
dass du allen gibst, wie es ihrem Handeln entspricht.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache (2006)

Video und musik zum andacht-Stream:

Silke Meyer