Mut zu echten Begegnungen

Klappstuhl-Gespräche in Altholstein

von Chantal Schierbecker, Frauenwerk Altholstein


Mein Mut wächst gerade, so wie Wildkräuter und Stauden in meinem Garten wachsen. Mein Mut zu echten Begegnungen wächst. In den vergangenen Wochen führte ich Telefongespräche mit Frauen aus unserem Kirchenkreis oder traf mich per Videokonferenz mit Kolleg*innen. Das war gut so. Nun denke ich – wir sollten einfach mal wieder reden, im direkten Kontakt sein und einander dabei in die Augen sehen. Deshalb haben meine Kollegin, Pastorin Natascha Hilterscheid, und ich ein kleines Format entwickelt – wir nennen es Klappstuhl-Gespräche.

Chantal Schierbecker
[Foto: Roman Jan Szymura]

Die Idee ist einfach. An zwei Wochentagen laden wir abwechselnd ein zum persönlichen Gespräch im Freien mit den Spielregeln: zwei Klappstühle – zwei Personen – zwei Meter Abstand. Wir möchten miteinander in den Gedankenaustausch gehen über das, was bewegt im Innen und Außen und den Themen Raum geben, die gerade für jede Einzelne bedeutsam sind. Unser Jahresthema der Frauenarbeit „Mut wächst“ ist ein Leitfaden für unsere Gespräche. Mut, Mut behalten, Mut gewinnen, Mut wachsen lassen für die Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

Die Idee der Klappstuhl-Gespräche wird inzwischen in einigen Gemeinden unseres Kirchenkreises aufgenommen. Wir freuen uns, wenn an vielen Orten Frauen wieder analog miteinander ins Gespräch kommen – und es einen kleinen Hinweis auf uns Ideengeberinnen aus Altholstein gibt. Fruchtbare Gespräche und wachsenden Mut wünsche ich!

„Mut – was ist das?“

Eine Andacht zum Jahresthema

von Julia Jünemann, Frauenarbeit Plön-Segeberg


Eröffnung: Lasst uns Andacht feiern im Namen Gottes, der Kraft, die uns mit Liebe ins Leben gerufen hat, im Namen Jesu Christi, der in Liebe an unserer Seite steht und im Namen der heiligen Geistkraft, die uns jeden Tag neu mit Liebe erfüllen will. Amen.

Lied: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, Str. 1-2 [in: Himmel Erde Luft und Meer Nr. 80 od. Gottesklang Nr. 27]

Austausch mit der Postkarte: Mut wächst! Welche Worte mit Mut fallen mir ein? Welches gefällt mir am besten?1

Impuls: Mut – was ist das? Ein Blick in das Herkunftswörterbuch. Mut kommt aus dem Germanischen und steht ursprünglich für nach etwas trachten, heftig verlangen, erregt sein. Das gemeingermanische Wort bezeichnete die triebhaften Gemütsäußerungen und seelischen Erregungszustände und wurde häufig in Sinne von Zorn verwandt. In späteren Zeiten bezeichnete es den Sinn und die wechselnden Gemütszustände der Menschen. Das englische mood erinnert daran: I’m in a good mood; I’m in a bad mood. Die heute vorherrschende Bedeutung Tapferkeit, Kühnheit setzte sich erst seit dem 16. Jh. stärker durch.

Die ursprüngliche Sprachwurzel zeigt uns: Mut ist nichts, was von außen auf uns zu kommt, sodass wir es einfach annehmen könnten. Mut entsteht tief in uns selbst. Mut braucht innere Bewegung. Mut braucht einen Antrieb, ein Ziel, auf das er sich richten kann und mit dem wir innerlich verbunden sind. Dann kann Mut wachsen.

Ein Blick in die Bibel, in der es viele mutige Menschen gibt, aber das Wort Mut nur selten vorkommt. Im zweiten Korintherbrief lesen wir: „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi, denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2. Kor. 12,10)

Darin finden wir „guten Mutes“ als eine Haltung in schweren Zeiten. Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich habe Hoffnung. Und gleichzeitig drückt sich die Tapferkeit und Stärke aus, die es angesichts von Nöten, Verfolgungen, Ängsten braucht. Der starke Antrieb, das hohe Ziel, mit dem sich der Mut verbindet und aus dem er sich speist, ist die Nähe zu Jesus Christus. Der Mensch, der mit Jesus verbunden ist, weiß, dass sie oder er auf dem richtigen Platz steht und dass es sich lohnt, dafür mutig zu sein.

Ich wünsche uns diesen Mut auch. Ich wünsche uns Geborgenheit in unserem Glauben und tiefe Überzeugung für unsere Werte. Dies sind die Wurzeln für einen Mut, der dann wächst, wenn er gebraucht wird.

Austausch

Lied: Schenk uns Weisheit, schenk uns Mut, Str. 3-4 [in: Himmel Erde Luft und Meer Nr. 80 od. Gottesklang Nr. 27)

Gebet: Gott, Du hast uns das Leben geschenkt und siehst voller Liebe in unsere Herzen. Wir bitten Dich, schenk uns täglich neuen Mut für unser Leben und die Sorge um die Menschen, die du uns anvertraut hast. Schenk uns Mut, unserer Schuld ins Gesicht zu sehen und sie vor Dich zu bringen, und schenk uns auch den Mut, auf die zuzugehen, die an uns schuldig geworden sind.  

Gott, wir wissen nicht, was der nächste Tag uns bringen wird. Lass uns nicht den Mut verlieren, wenn wir Verluste erleiden und unser vermeintlich sicheres Leben sich dramatisch verändert. Denn auf Dich können wir trauen. In Dir sind die Liebe und die Kraft, und Du versprichst uns Leben in Ewigkeit. Amen.

Segen: So segne uns Gott mit dem Mut, der aus Gottes Liebe erwächst. Amen.


Download:

  1. Bestellung von Postkarten und anderen Materialien zum Jahresthema – siehe Bildrand ➡

So ist der Himmel! | Eins

Eine Andacht zum Schauen und Besinnen am Morgen ⛅

Texte: Magda Hellstern-Hummel / Frank Puckelwald, Gemeindedienst der Nordkirche


Gebet

Ich sitze vor Dir, Gott. Aufrecht und entspannt.

In diesem Augenblick lasse ich alle meine Pläne, Sorgen und Ängste los.

Ich lege sie in Deine Hände.

Gott, ich warte auf Dich. Du kommst auf mich zu.

Du bist in mir, durchflutest mich mit Deinem Geist.

Du bist der Grund meines Seins.

Öffne mich für Deine Gegenwart, damit ich immer tiefer erfahre,

wer Du bist und was Du von mir willst.

Amen.

nach Dag Hammarskjöld

„Du durchflutest mich mit Deinem Geist!“ | Foto: Franziska Pätzold

Ist da Mut gewachsen…?

Ein Kommentar zu „Männerwelten“

von Susanne Sengstock, Frauenwerk der Nordkirche


Shows privater Fernsehsender und deren Moderator*innen sind mir eigentlich egal. Vor Jahren habe ich mal auf Drängen meines Sohnes mit ihm „Joko und Klaas“ angeschaut und fand die Sendung ziemlich dämlich. Derzeit wird ihr Fernsehbeitrag „Männerwelten“ vielfach diskutiert. Joko und Klaas hatten bei einem Spiel gegen ihren Sender fünfzehn Minuten Sendezeit zur Primetime gewonnen. Sie füllten diese Sendezeit mit einem Gang durch die Ausstellung „Männerwelten“. Sie selbst sind allerdings nicht zu sehen. Durch die Ausstellung führt Sophie Passmann, feministische Journalistin und Autorin des Bestsellers „Alte weiße Männer“.

„Männerwelten“ ist eine fingierte Ausstellung zum Thema sexualisierte Gewalt an Frauen. Es ist mutig und bemerkenswert, dass Joko und Klaas Sexismus um 20.15 Uhr offen thematisieren. Mehr als 2 Millionen Menschen sahen den Beitrag im Fernsehen. Bei Youtube wurde er mehr als 3,6 Millionen Mal aufgerufen. Mut ist gewachsen, wenn Sexismus kein Tabu-Thema mehr ist, sondern öffentlich angeprangert wird. Bekannte Moderatorinnen erzählen, wie sie sexuell belästigt werden, unbekannte Frauen in welcher Kleidung sie vergewaltigt wurden.

Natürlich wurde der Beitrag auch kritisiert, u.a. weil in der Ausstellung keine Gewalt an Transfrauen, an nicht-weißen Frauen, keine Partnergewalt thematisiert wird. Und auch Joko und Klaas fehlt es noch an Mut. Denn dass die beiden den Beitrag nicht mit einer Entschuldigung oder einer kritischen Selbstreflexion versahen, ist mehr als bedauerlich. 2012 waren sie nämlich selbst übergriffig und grabschten mit ekelhaften Kommentaren vor laufender Kamera einer Frau an Brust und Po und fanden es noch lustig. Da kann noch mehr Mut wachsen!

Wer die wirklich sehenswerten 15 Minuten sehen möchte, klicke hier:

Männerwelten – Belästigung von Frauen | Joko & Klaas

Aber Achtung: Die Trigger-Warnung zu Beginn ist ernstzunehmen!

Andacht am Sonntag Rogate

Schweige und Höre

Von Silke Meyer, Frauenwerk Lübeck-Lauenburg


„Schweige und Höre“ – von Silke Meyer

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr

… das riet vor über 1000 Jahren Benedikt von Nursia. Und selbst heute, 1000 Jahre später ist es das, was uns besonders schwerfällt; selbst dann noch, wenn der Straßenlärm und die gewohnten Hintergrundgeräusche unseres Alltags in den vergangenen Wochen insgesamt leiser geworden sind. Und doch: Geräuschkulisse als schon süchtige Ablenkung?

Kennst Du diese Sehnsucht nach echtem Innehalten, Schweigen und Hören? Nach konzentriertem zuhören? Hören ist das erste, was wir als Mensch tun. Gerade auf die Welt gekommen, kennen wir die Stimme unserer Mutter längst – aus dem Bauch. Selbst wer im Sterben liegt, hört immer noch, was um ihn herum passiert – bis zum letzten Atemzug. Hören ist eine wesentliche Verbindung zur Welt.

Schweige und höre…

Unsere Ohren orientieren, warnen und behüten uns. Bei unangenehmen, unheimlichen Geräuschen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Beim Hören von Mozarts Requiem läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Das Ohr ist unser innigster Zugang zur Welt. Wie reagierst Du auf die QuaranTöne? Wenn ich genau hinhöre, aufmerksam zuhöre, werde ich selten getäuscht.

Was aber geschieht mit den Ohren, die das Zuhören wegen unaufhörlicher, medialer Berieselung, noch dazu oft über Kopfhörer, verlernt haben? Was wäre, wenn wir in diesen Tagen der Unterbrechung Momente der Stille zulassen? Mit dem Psalm-Wort, Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2), für eine Weile, aus der durch Lärm entstandenen Taubheitskultur herauswachsen – und aufhorchen! Was von uns selbst würden wir erhören? Das, was mir geschenkt ist, meine Lebensaufgabe, Träume und Herzensanliegen?

Das wünsche ich uns in diesen Tagen! Die eine oder andere Gelegenheit auf Nebengeräusche zu verzichten und in einer plötzlich entstandenen Stille mir selbst und der Natur im Aufbruch zu lauschen.

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Amen.

[alle Fotos von Silke Meyer]

Psalm 62

Nur bei Gott wird mein Leben still.
Von ihm kommt meine Befreiung.
Nur Gott ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken – nicht sehr.
Wie lange wollt ihr eine Einzelne bestürmen?
Wollt ihr sie morden, ihr alle,
wie eine fallende Wand, eine stürzende Mauer?
Nur das ist ihr Plan: Sie von oben herabzustürzen.
Täuschung gefällt ihnen.
Mit dem Mund segnen sie, in ihrem Inneren fluchen sie.
Nur bei Gott werde still, mein Leben!
Ja, von ihm kommt meine Hoffnung.
Nur er ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken.
Bei Gott liegt meine Freiheit und meine Würde,
Fels meiner Macht, meine Zuflucht bei Gott.
Vertraut auf ihn zu jeder Zeit, Leute!
Schüttet vor ihm euer Herz aus! Gott ist Zuflucht für uns. Sela
Nur Nebelhauch sind die Menschenwesen,
Täuschung sind Männer und Frauen.
In Waagschalen steigen sie auf, leichter als Nebelhauch.
Vertraut nicht auf Erpressung! Durch Raub lasst euch nicht vernebeln!
Wenn das Vermögen wächst, setzt das Herz nicht darauf.
Eins hat Gott gesagt, zwei sind es, die ich gehört habe:
dass Macht bei Gott ist,
und Freundlichkeit, Gebieter über uns, bei dir,
dass du allen gibst, wie es ihrem Handeln entspricht.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache (2006)

Video und musik zum andacht-Stream:

Silke Meyer

So viel wachsender Mut…

Im Projekt „Klimabewusstsein erden“ grünt und blüht es kräftig!


Tomatenpflanzen aus dem Projekt in Fülle und Blüte

Saatkartoffeln seltener Sorten

Ulrike Torges und ihr Sohn ziehen sie aus kleinen Saatkartoffelpflänzchen – mit grünem Daumen und genügend Sonne auf dem Südbalkon. ☀

Lust mitzumachen? Informationen und eine Liste mit im Frauenwerk erhältlichem Saatgut gibt’s hier: zum Projekt Klimabewusstsein erden

Wer bist du nun, meine Tochter?

Zehn Collagen zum Buch Rut

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Als Andacht an diesem Sonntag laden wir ein zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Wer bist du nun, meine Tochter? | Zehn Collagen zum Buch Rut“. Eigentlich sollte diese Ausstellung ganz real mit Lesung, Gespräch und kleinem Empfang eröffnet werden, aber auch das musste Corona bedingt abgesagt werden – zumindest teilweise. Die Bilder des Graphikers Gerhard Schneider sind nämlich dennoch zu sehen – derzeit in der Winterkirche von St. Nikolai, Greifswald und … hier! Und den Audioguide gibt es auch dazu. 🙂 Viel Freude also beim Betrachten der Bilder, beim Hören der biblischen Erzählung und beim Wiederentdecken der Rut!


Wer bist du nun, meine Tochter? (Nacherzählung von Franziska Pätzold)

Nach Moab …

und zurück.

Wo auch immer du hingehst …

… auf die Felder des Boas.

… als wäre sie eine von ihnen.

Bade, salbe dich …

… wer bist du nun, meine Tochter?

Wenn du lösen willst …

Rut und Boas

Noomi und Obed

Gebet zum 8. Mai

Die Brennnessel wächst

von Katja Hose, Frauenwerk der Nordkirche


Was geschah auf diesem Flecken Erde vor 75 Jahren? Die Mutter wurde von der Gestapo abgeholt und im KZ ermordet. Die Briefträgerin hörte den Schrei, als sie die Nachricht von der Front überbrachte. Die Angst vor den Bomben ist tief in den Boden des Bunkers gesunken. Kindheit, Jugend, Leben – geraubt von deutschen Müttern, Vätern…

Tod. So viel Tod! Zu viel Tod! Viel zu viel Tod! Unfassbar… Leid, Schuld und Scham, Trauer und Wut – gespeichert auf dem Boden der Seele – bis heute. Hat die Erde gezittert – damals? Ich fühle meine Bewegung heute an diesem 8. Mai – Tag der Befreiung.

Und ich sehe aus der Erde die Brennnessel wachsen, schmerzhaft in der Berührung, heilend in ihrer Kraft. Sie wächst!

Gott, lass weiterhin Mut wachsen, die Erinnerung wach zu halten, die Schuld zu bekennen, die Versöhnung zu erbitten, die Dankbarkeit zu fühlen, aus deiner Liebe zu leben und Frieden zu suchen.

Das bitte ich für mich und für unsere Erde. Amen.

Andacht am Sonntag Jubilate

Mut wächst – Klimabewusstsein erden

AG Klima, Frauenarbeit in der Nordkirche


An diesem Sonntag hat die Andacht unmittelbar mit dem Projekt „Mut wächst – Klimabewusstsein erden“ der Frauenarbeit in der Nordkirche zu tun. Das Projekt wurde bereits auf der Frauendelegiertenkonferenz zu Beginn diesen Jahres vorgestellt und ist nun in vollem Gange [weitere Infos dazu gibt es hier: Mut wächst – Klimabewusstsein erden]. Mit dieser Andacht haben wir uns damals auch spirituell auf das Thema eingestimmt: Säen, Pflanzen, Leben und Vielfalt bewahren, Verbundenheit spüren mit der Erde, mit Gott, miteinander – dazu laden wir ein.

[Philip Pena via Pixabay]

Unten gibt es den Text und den Ablauf der Andacht als Download zum Nachlesen und Ausprobieren – im Frauenkreis, in der Gemeinde, unter Freund*innen und Nachbar*innen, in Kooperation mit anderen Initiativen und Projekten – überall dort, wo es ein bisschen Platz und engagierte Menschen gibt. Und im Stream kann frau/ man gleich hier nachhören, wie es klingen könnte. [Ein bisschen Vorstellungskraft zum gedanklichen Nachvollziehen des Pflanzrituals ist dazu sicher hilfreich… :-)]

Viel Freude beim Hören, Ausprobieren, Säen und Pflanzen!

Die Andacht zum Nachhören:

Mut wächst – Klimabewusstsein erden von der AG Klima
der Frauenarbeit in der Nordkirche

Die TExte zum Download:

Die Musik aus dem Andacht-Stream: