Und siehe: Morgen war alles gut!

Gedanken zum Jahresthema

Ein Gastbeitrag von Fatima Emari, Interreligiöses Frauennetzwerk Hamburg

~crystalina~
[via: CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)]

Die Vorstellung, dass ein bestimmter Zustand, dessen Ende herbeigesehnt wird auch tatsächlich dieses Ende findet und sich also die gewünschte Besserung einstellt, hat etwas Tröstendes. Die Zukunft, das Morgen, wird gut sein: das bietet jedem eine Perspektive und Perspektive gibt Mut, Geduld, Halt, Sicherheit und vor allem Energie, selbst zu handeln. Mit dem Morgen impliziere ich nicht nur ein diesseitiges sondern auch ein jenseitiges und für beide ‚Morgen‘ lohnt es sich zu hoffen: auf die eigene Kraft und Handlungs-macht und auf die Barmherzigkeit Gottes.

Zwei Koranverse fallen mir jeweils dazu ein, deren Veränderungsrichtung und damit Hoffnung auf Transformation, so wie ich sie verstehe, sogar miteinander in Wechsel-wirkung stehen.

„Siehe, Gott ändert an einem Volk nichts, ehe sie nicht ändern, was in ihren Seelen ist.“

[Q: 13/11]

Dieser Vers will uns sagen, dass Gott, der Erhabene, dem Menschen vertraut, ihm zutraut, sein Schicksal und das der Menschheitsfamilie in die Hand zu nehmen, er fordert es sogar von uns. Ungerechtigkeiten gegen Menschen, gesellschaftliche Ungleichheiten, Krieg und Unfrieden, Maßlosigkeit in Bezug auf die Schöpfung, das alles sind die Faktoren, die die Zustände von Menschen unerträglich und damit veränderungswürdig machen. Zustände zu einem besseren zu wenden, sie zu verändern ist unsere Aufgabe, liegt in unserer Verantwortung. Niemand nimmt das für uns Menschen in die Hand.

Jede Veränderung ist auch eine Möglichkeit!
[Marco Verch; via: flickr.com; https://www.flickr.com/photos/149561324@N03/]

Diese Erkenntnis ist es, die heute Myriaden von jungen Menschen auf die Straßen treibt, sie befähigt und motiviert zu radikalen Veränderungen ihrer Lebensweisen; Lebensweisen, die gebettet sind in das, was wir, ihre Vorgängergenerationen, ihnen an Bedingungen hinterlassen. Von was außer Hoffnung in ein besseres, ein gutes Morgen schöpfen diese junge Menschen ihre Mut und ihre Energie?

„Sprich: Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid, verzweifelt nicht an Gottes Barmherzigkeit! Gott vergibt die Sünden allesamt. Siehe, Er ist es, der bereit ist zu vergeben, der Barmherzige.“

[Q: 39/ 53]


Dieser Vers heißt dann im Umkehrschluss eben nicht, dass wir Menschen einen Freifahrtschein haben und egal, was wir tun uns irgendwann vergeben wird… Für die jenseitige Barmherzigkeit Gottes gibt es eine diesseitige Voraussetzung: nämlich, dass wir Menschen eigenes Verhalten permanent reflektieren, Fehler und ihre Konsequenzen für uns und für andere erkennen und vor allem sie nicht ständig wiederholen.

Mehr noch: genau diese Befähigung des Menschen zu moralisch-ethischer Trans-formation und damit Veränderung seiner Lage qua seiner ratio, ist Ausdruck der grenzenlosen Barmherzigkeit Gottes. In jeder Hinsicht können und sollen wir auf ein gutes Morgen hoffen, ob wir und unsere Kinder es tatsächlich dürfen, liegt einzig an uns… Womit sich mir wiederum die Zeitverschränkung des vorangestellten Mottos erschließt: Das, was wir heute tun hat eine Wirkung auf das Morgen, das eigene und das derjenigen nach uns.