Weltfrauentag in Buenos Aires

Von Claudia Kress, Praktikantin im Frauenwerk der Nordkirche

Im Rahmen des ökumenisch-missionarischen Stipendienprogramms der Nordkirche durfte ich die letzten sieben Monate in Buenos Aires leben und arbeiten. Es war eine spannende und prägende Zeit für mich, in der mich besonders die Energie und die Präsenz der feministischen Bewegung, wie z.B. am Weltfrauentag, beeindruckten und mich nun mit vielen Denkanstößen und Inspiration zurück nach Deutschland begleiten.

„Ni Una Menos“ – „Keine Einzige Weniger“ war auch in diesem Jahr am 8. März, dem Weltfrauentag, in Buenos Aires aus vielen Mündern laut zu hören, auf Plakaten und lila Tüchern zu lesen. Mehr als 100.000 Menschen sollen sich an der Demonstration beteiligt haben. Vor allem Frauen gingen an diesem Tag auf die Straße. Frauen jeden Alters trommeln, tanzen, singen und stehen auf für die Gleichberechtigung der Geschlechter und gegen die Gewalt an Frauen, die in den sogenannten Femiziden ihren schrecklichen Höhepunkt findet.

Femizide sind Morde durch Männer an Frauen, weil sie Frauen sind; oft verharmlost als Verbrechen aus Leidenschaft im Schatten des Machismo, der sich durch weite Teile Südamerikas und durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht.

Die Farben des argentinischen Weltfrauentags sind lila und grün. Ganz in der Tradition des Landes finden sich auf Tüchern, die um Hals, Kopf, Handgelenk, Taschen und Co gebunden werden, die Hauptslogans der verschiedenen Thematiken.

Lila steht für die „Ni Una Menos“ – Be-wegung, grün für die Forderung nach der legalen Abtrei-bung – „Aborto Legal“. Frauen sollen die legale Möglichkeit der Entscheidung erhalten, ob sie eine Schwanger-schaft abbrechen wollen, ohne sich durch eine Selbst-abtreibung oder durch unausgebildete Hilfe in Lebensgefahr bringen zu müssen. Im August letzten Jahres wurde der erste Antrag auf eine legale Abtreibung im argentinischen Parlament abgelehnt. Von weiteren Anträgen auf eine Legalisierung der Abtreibung durch die Bewegung kann ausgegangen werden.

Die Frauen mit ihren lila und grünen Tüchern, die jährlich zwischen dem Regierungs-gebäude Casa Rosada und dem Parlament in Buenos Aires am 8. März zu Tausenden demonstrieren, machen sich stark für ein gerechtes Morgen. Sie verschließen ihre Augen nicht vor der Gewalt und der Ungerechtigkeit, der Frauen nicht nur in Argentinien, sondern in vielen Teilen der Welt oft hilflos ausgeliefert sind.

Auf Schildern, die einige Frauen in den Händen halten, steht, dass sie nicht nur für sich sprechen, sondern auch für all die Frauen, die es nicht selbst können: Für alle, die aus Angst vor Gewalt daran gehindert werden und für die Frauen, für die das Gestern und Heute so wenig gut war und ist, dass es ihren Tod bedeutet(e). Die demonstrierenden Frauen des Weltfrauentags sehen, dass heute noch lang nicht alles gut ist. Mit bunt geschminkten Gesichtern, klaren Statements und vielen Herzen und Händen fordern sie ein gutes Morgen. Für sich und für andere stehen sie auf und setzen sich ein für ein Morgen in einer Welt, in der Frauen sagen können: Heute ist es gut.

Zum Weiterlesen:

https://www.deutschlandfunk.de/abtreibungsrecht-in-argentinien-ein-land-sieht-gruen-ein.886.de.html?dram:article_id=449822

http://niunamenos.org.ar/

http://www.abortolegal.com.ar/