Mutmach-Lied im Februar

Under African Skies

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Einer meiner aller-, allerliebsten Lieblingsmusiker ever ist Paul Simon. Sein Album Graceland von 1986 gilt gemeinhin als das Popalbum der 80er Jahre oder auch als eines der wichtigsten Alben ever ever – wer auch immer so was festlegt. In jedem Fall war es wahnsinnig erfolgreich und wahnsinnig innovativ. Die Entstehung des Albums allerdings war und ist bis heute politisch umstritten. Paul Simon nahm es Ende 1985 gemeinsam mit afrikanischen Musiker*innen in Südafrika auf – zu einer Zeit als dort noch Apartheid herrschte und die Vereinten Nationen einen Kulturboykott verhängt hatten, um gegen das Apartheids-Regime zu protestieren. Simon wurde von vielen Seiten, vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bis hin zu westlichen weißen Musikern wie Paul Weller, vorgeworfen er würde mit seinen Aufnahmen in Südafrika diesen Boykott – nun ja – boykottieren.

Paul Simon selbst bezeichnet rückblickend sein Vorgehen als zumindest „politisch naiv“ und in jedem Fall „egozentrisch“.1 Musikalisch jedenfalls war und ist Graceland ein Hit und löste Ende der 80er Jahre den (auch nicht unumstrittenen) Hype um die sogenannte „Weltmusik“ aus.

Paul Simon at the 9:30 Club in Washington, D.C., May 2011
[by Matthew Straubmuller (imatty35) / CC BY (https://creativecommons.org/licen0ses/by/2.0)]

Wenn es so etwas gibt wie Resilienz-Musik, dann gehören für mich unbedingt die Graceland-Songs dazu und ganz besonders Under African Skies. Der Text mag zunächst rätselhaft erscheinen und irgendwie skizzenhaft, wie oft bei Paul Simon, trotzdem eröffnet er eine ganze Welt. Die Zeile These are the roots of rhythm and the roots of rhythm remain löst bei mir jedesmal und auf der Stelle alle Anspannung und sorgt für ein wärmendes Kribbeln im Bauch. Vielleicht ist das die körperliche Manifestation eines Urvertrauens oder meines immer noch unbelehrbaren Glaubens daran, dass der* Mensch* zwar oft dumm, aber grundsätzlich gut ist. Das lässt meinen Mut wachsen – immer wieder.

Unten gibt es zwei Live-Versionen dieses Mutmach-Liedes. Die erste ist von 1987, die zweite entstand anläßlich der ausgedehnten Jubiläums-Tour „25 Jahre Graceland“! In den Credits der zweiten Version ist immerhin der Name einer Duett-Partnerin aufgeführt: Thandiswa Mazwai. In der ersten Version fehlt dazu jede Angabe und dabei handelt es sich um die große Miriam Makeba, nicht ohne Grund auch Mama Africa genannt. Beides sind absolut faszinierende Frauen und das ist Paul Simon auch deutlich anzusehen … :-).


Under African Skies – von Paul Simon

Joseph’s face was black as night [Josephs Gesicht war nachtschwarz.]
The pale yellow moon shone in his eyes [Der blassgelbe Mond spiegelte sich in seinen Augen.]
His path was marked [Sein Pfad war gekennzeichnet…
By the stars in the Southern Hemisphere […durch die Sterne der südlichen Hemisphäre.]
And he walked his days [Und er ging seine Tage…
Under African skies […unter afrikanischen Himmeln.]

This is the story of how we begin to remember [Dies ist die Geschichte wie wir beginnen, uns zu erinnern.]
This is the powerful pulsing of love in the vein [Dies ist der kräftige Puls der Liebe in den Venen.]
After the dream of falling and calling your name out [Nach dem Traum vom Fallen und Rufen deines Namens…]
These are the roots of rhythm […ist dies der Ursprung des Rhythmus…]
And the roots of rhythm remain […und der Ursprung des Rhythmus bleibt.]

In early memory [In früher Erinnerung…]
Sounds of music […klang Musik…]
Was ringing ‚round my grandmothers door [… vor der Tür meiner Großmutter.]
I said, take this child, [Ich sagte, nimm dieses Kind…]
From the township of Mofolo […aus dem Township Mofolo.]
Give her the wings to fly through harmony [Gib ihr Flügel, um durch Harmonien zu fliegen…]
And she won’t bother you no more […und sie wird Dir nie wieder Umstände machen.]

This is the story of how we begin to remember […]
This is the powerful pulsing of love in the vein
After the dream of falling and calling your name out
These are the roots of rhythm
And the roots of rhythm remain

Joseph’s face was as black as the night […]
And the pale yellow moon shone in his eyes
His path was marked
By the stars in the Southern Hemisphere
And he walked the length of his days […und er ging sein Leben lang…]
Under African skies […unter afrikanischen Himmeln.]

Quelle: LyricFind; Songwriter: Paul Simon; Songtext von Under African Skies © Universal Music Publishing Group

Hier geht’s zur Version von 1987: Paul Simon & Miriam Makeba – Under African Skies (Live from The African Concert)

Und hier zur Version von 2012: Paul Simon & Thandiswa Mazwai – Under African Skies (from The Concert in Hyde Park)