Mutmach-Lied im März

We can work it out

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Die jüdisch-israelische Sängerin Noa ist eine Naturgewalt – im positiven Sinne (nicht im Corona-Sinne). Sie hat eine Power und Ausstrahlung, die bewegt und mitreißt. Mich jedenfalls. Das zeigt sich in ihrer Musik und besonders in ihren Live-Performances. Anfang der 2000er Jahre begann sie eine musikalische Zusammenarbeit mit der Sängerin Mira Awad, einer palästinensischen Christin. Dass daraus eine Freundschaft entstand, ist in den Videos ihrer gemeinsamen Auftritte deutlich zu sehen. Die Zusammenarbeit der beiden Frauen gipfelte in eine Performance beim Eurovision Song Contest 2009. Mit ihrem Song „There must be another way“ traten sie für Israel an und belegten den 16. Platz – was zeigt, dass der ESC nicht unbedingt das Parkett für politische Botschaften ist und der Song auch nicht unbedingt der absolute Hit. Aber die beiden Frauen sind es schon.

Inzwischen ist der ESC 2020 natürlich wegen Corona abgesagt und von Grenzen überschreitender Zusammenarbeit und Freundschaft ist auch eher selten die Rede in Zeiten von #Ausgangssperren und #SocialDistancing. Es sei denn, es geht um eine grenzübergreifende Krisenintervention zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus in der EU. Aber auch das funktioniert ja nur so semi-gut und führt vor allen Dingen dazu, dass die physischen-politischen Grenzen plötzlich wieder sehr präsent sind. Ich bin keine, die die Gefahren von Corona und einer rasanten Ausbreitung unterschätzen will oder sich nicht solidarisch gegenüber der Risikogruppe verhielte, aber was mich auch noch sehr bewegt, ist die Frage, ob sich das eigentlich alles auch wieder zurückdrehen lässt, wenn diese Krise einmal ausgestanden ist…?

Silberstreif am Horizont
[von darrenlauser; via Pixabay]

Aber zurück zur Musik. Die kann frau ja zum Glück auch in #Quarantäne hören und tanzen geht in der engsten Küche (allein natürlich). Und das tue ich heute virtuell verbunden mit Mira Awad und Noa. Die nahmen nämlich einige Jahre vor dem ESC-Auftritt ihre Version eines alten Hits der Beatles auf. Auf Noas Album „Now“ von 2002 findet sich „We can work it out“. Die Biographien der beiden Sängerinnen vor Augen ist schnell klar, dass sich ihr hoffnungsvolles „Wir kriegen das hin!“ auf den ewig währenden Konflikt zwischen Israel und Palästina bezieht. Aber der Titel zumindest passt auch sehr gut in die Coronakrise. Denn es gibt ja nicht nur diejenigen, die wegen geschlossener Clubs Corona-Partys in ihren eigenen Buden, also auf engstem Raum, feiern, sondern auch die, denen jetzt auffällt und einfällt, dass sie Nachbarn haben, die zur Risikogruppe gehören und denen sie ganz konkret helfen können und wollen: #NachbarschaftsChallenge. Das lässt meinen Mut wachsen und Mira Awad und Noa liefern den Soundtrack dazu.


We can work it out – von The Beatles

Try to see it my way, [Versuch, es auf meine Weise zu sehen.]
do I have to keep on talking till I can’t go on? [Muss ich wirklich weiterreden bis ich nicht mehr kann?]
While you see it your way, [Während du es auf deine Weise siehst,…]
run the risk of knowing that our love may soon be gone. […bedenke das Risiko, dass unsere Liebe bald vorüber sein könnte.]

We can work it out, [Wir kriegen das hin!]
We can work it out.

Think of what you’re saying. [Überdenke, was du sagst.]
You can get it wrong and still you think that it’s alright. [Du kannst falsch liegen und trotzdem denken, dass alles gut ist.]
Think of what I’m saying, [Bedenke, was ich sage:]
we can work it out and get it straight, or say good night. [Wir können das schaffen oder gleich Gute Nacht sagen.]

We can work it out,
We can work it out.

Life is very short, and there’s no time [Das Leben ist sehr kurz und es ist keine Zeit…]
for fussing and fighting, my friend. [… solches Aufhebens zu machen und zu streiten, mein Freund.]
I have always thought that it’s a crime, [Ich dachte immer, dass das ein Verbrechen ist.]
so I will ask you once again. [Deshalb werde ich dich noch einmal bitten:]

Try to see it my way, [Versuch, es auf meine Weise zu sehen.]
only time will tell if I am right or I am wrong. [Allein die Zeit wird zeigen, ob ich recht habe oder falsch liege.]
While you see it your way, [Während du es auf deine Weise siehst,…]
there’s a chance that we may fall apart before too long. […besteht die Gefahr, dass wir uns bald trennen werden.]

We can work it out,
We can work it out.

[…]

Quelle: LyricFind; Songwriter: John Lennon/Paul McCartney; Songtext von We Can Work It Out © Sony/ATV Music Publishing LLC

Und hier geht es zu den Songs:

Zum Ersten „We can work it out“ in einer Live-Version (Leider ist die Qualität von Bild und Ton nicht sehr gut. 🙁 )

Noa & Mira Awad – We can work it out

Und zum Zweiten als Zugabe eine Live-Performance von Noas Song „Shalom, shalom“ (bzw. „Salam, salam“), weil es so schön ist und Frieden Not tut – genauso wie Mut!

Noa & Mira Awad – Shalom Shalom

2 Gedanken zu „Mutmach-Lied im März

  1. „… aber was mich auch noch sehr bewegt, ist die Frage, ob sich das eigentlich alles auch wieder zurückdrehen lässt, wenn diese Krise einmal ausgestanden ist…?“ Bei manchen Entscheidungen wie Ausgangssperre oder die Nachverfolgung der Einhaltung von Festlegungen über Mobiltelefone – anonym (?), dem innereuropäische Grenzverkehr, die Ablenkung von den nach wie vor ungelösten Fragen betreffs der Flüchtlingsfragen rund um das Mittelmehr und der Flüchtlingslager in Griechenland. Dann komme ich gedanklich schnell auch zu den Ungerechtigkeiten der Weltwirtschaft (siehe WGT Simbabwe) und die Trägheit / Dickfälligkeit der Wirtschaft mit Blick auf neue Lösungen. Oder auch der große Feldtest in China mit der Einführung der Sozialkarte und der Nutzung jetzt für Corona.
    Es ist so viel, dass einem schwindlig werden kann.
    Aber was meinst Du mit Deiner wagen Andeutung? Wäre es vielleicht sinnvoll eine Diskussion dazu anzustoßen?

    • Genau, schwindelig wird mir davon auch… Aber es lohnt sich sicher, das im Blick zu behalten: Was ist jetzt möglich – krisenbedingt – das sonst unvorstellbar oder zumindest doch nicht leicht durchsetzbar wäre, wie lange gelten diese Maßnahmen und werden sie dann auch wieder vollständig zurückgedreht auf den Pre-Corona-Statusquo? Das beschäftigt mich – neben allem anderen. 😉

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