Andacht am Sonntag Rogate

Schweige und Höre

Von Silke Meyer, Frauenwerk Lübeck-Lauenburg


„Schweige und Höre“ – von Silke Meyer

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr

… das riet vor über 1000 Jahren Benedikt von Nursia. Und selbst heute, 1000 Jahre später ist es das, was uns besonders schwerfällt; selbst dann noch, wenn der Straßenlärm und die gewohnten Hintergrundgeräusche unseres Alltags in den vergangenen Wochen insgesamt leiser geworden sind. Und doch: Geräuschkulisse als schon süchtige Ablenkung?

Kennst Du diese Sehnsucht nach echtem Innehalten, Schweigen und Hören? Nach konzentriertem zuhören? Hören ist das erste, was wir als Mensch tun. Gerade auf die Welt gekommen, kennen wir die Stimme unserer Mutter längst – aus dem Bauch. Selbst wer im Sterben liegt, hört immer noch, was um ihn herum passiert – bis zum letzten Atemzug. Hören ist eine wesentliche Verbindung zur Welt.

Schweige und höre…

Unsere Ohren orientieren, warnen und behüten uns. Bei unangenehmen, unheimlichen Geräuschen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Beim Hören von Mozarts Requiem läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Das Ohr ist unser innigster Zugang zur Welt. Wie reagierst Du auf die QuaranTöne? Wenn ich genau hinhöre, aufmerksam zuhöre, werde ich selten getäuscht.

Was aber geschieht mit den Ohren, die das Zuhören wegen unaufhörlicher, medialer Berieselung, noch dazu oft über Kopfhörer, verlernt haben? Was wäre, wenn wir in diesen Tagen der Unterbrechung Momente der Stille zulassen? Mit dem Psalm-Wort, Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2), für eine Weile, aus der durch Lärm entstandenen Taubheitskultur herauswachsen – und aufhorchen! Was von uns selbst würden wir erhören? Das, was mir geschenkt ist, meine Lebensaufgabe, Träume und Herzensanliegen?

Das wünsche ich uns in diesen Tagen! Die eine oder andere Gelegenheit auf Nebengeräusche zu verzichten und in einer plötzlich entstandenen Stille mir selbst und der Natur im Aufbruch zu lauschen.

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Amen.

[alle Fotos von Silke Meyer]

Psalm 62

Nur bei Gott wird mein Leben still.
Von ihm kommt meine Befreiung.
Nur Gott ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken – nicht sehr.
Wie lange wollt ihr eine Einzelne bestürmen?
Wollt ihr sie morden, ihr alle,
wie eine fallende Wand, eine stürzende Mauer?
Nur das ist ihr Plan: Sie von oben herabzustürzen.
Täuschung gefällt ihnen.
Mit dem Mund segnen sie, in ihrem Inneren fluchen sie.
Nur bei Gott werde still, mein Leben!
Ja, von ihm kommt meine Hoffnung.
Nur er ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken.
Bei Gott liegt meine Freiheit und meine Würde,
Fels meiner Macht, meine Zuflucht bei Gott.
Vertraut auf ihn zu jeder Zeit, Leute!
Schüttet vor ihm euer Herz aus! Gott ist Zuflucht für uns. Sela
Nur Nebelhauch sind die Menschenwesen,
Täuschung sind Männer und Frauen.
In Waagschalen steigen sie auf, leichter als Nebelhauch.
Vertraut nicht auf Erpressung! Durch Raub lasst euch nicht vernebeln!
Wenn das Vermögen wächst, setzt das Herz nicht darauf.
Eins hat Gott gesagt, zwei sind es, die ich gehört habe:
dass Macht bei Gott ist,
und Freundlichkeit, Gebieter über uns, bei dir,
dass du allen gibst, wie es ihrem Handeln entspricht.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache (2006)

Video und musik zum andacht-Stream:

Silke Meyer