Es war gut! Und jetzt?

Die biblische Schöpfungsgeschichte, die wir eben gehört haben, ist auch eine Erzählung, die Menschen ermutigt und Hoffnung weckt. Es ist geradezu ein poetischer Text. Im Wechsel von Wort und Tat entsteht so etwas wie ein Rhythmus des Lebens. Am Anfang war die Erde nur Chaos und Wüste und Gottes Geistkraft bewegte sich über der Urflut. Dann spricht diese Geistkraft, die Ruach, und bekommt Antwort. Licht leuchtet auf. Ja, es war gut. Der Rhythmus von Tag und Nacht beginnt. Die Zeit und dann der Raum bringen Struktur ins Chaos. Leben wird möglich. Und immer wieder die Zusage: Es war gut! Darin schwingt zugleich mit: vollkommen, angenehm, schön, freundlich, recht. Dabei geht es nicht um die Nützlichkeit, die wir Menschen in so manchem Schöpfungswerk erkennen. Für uns ist zum Beispiel das Licht gut, weil es uns beim Sehen hilft, weil es die Bildung von Vitamin D in der Haut fördert usw.  Es geht hier auch nicht um die Schönheit, die wir z.B. einer Rosenblüte wie einem Kunstwerk beimessen. Denn Gott spricht hier: „Es war gut“. Die Ewige, die Quelle allen Lebens, sieht und bejaht damit den Rhythmus des Lebens, die Verbundenheit und Bezogenheit alles Geschaffenen. Es geht nicht um eine Bewertung, die das Geschaffene zum Objekt macht, sondern um die lebendige Beziehung Gottes zu allem Geschaffenen, zum Kosmos.

Kind Morning Light [Foto: Sergiu Vălenaș, Unsplash]

Es gibt kaum eine biblische Erzählung, die ich so oft wie diese wunderbare Ouvertüre der Bibel in meinem beruflichen Alltag erzählt habe: Egal in welchen Zusammenhängen und Gruppen, ob in der Kita oder im Pflegeheim, auf der Konfi-Freizeit oder in der Kinderbibelwoche. Sie fasziniert immer wieder aufs Neue! Am meisten dann, wenn es gelingt zu begreifen, dass es hier nicht um einen historischen Bericht von der Entstehung der Erde geht, sondern um eine Poesie, die uns etwas von Gott nahebringt und damit vom Zusammenhang und Sinn des Lebens überhaupt. Es geht hier nicht um eine profane Chronik, sondern um etwas, das die Heiligkeit des Lebens ausstrahlt. Es gibt viele verschiedene Aussagen zu Gottes Schöpfung in der Bibel. Sie alle machen deutlich, dass Gott die Welt nicht wie eine Maschine konzipiert, die einmal fertig konstruiert, ihren Dienst verrichtet. Gott wirkt weiter lebendig und ist ständig dabei, die Welt  so zu halten, dass Urflut und Chaos nicht wieder über sie hereinbrechen können. Schöpfung ist ein fortwährendes dynamisches Geschehen und Gott ist mittendrin, genauso wie wir Menschen. So sind die Schöpfungsaussagen der Bibel zu begreifen.