Es war gut! Und jetzt?

Wie bei  jeder guten Ouvertüre wird am Beginn schon etwas vom Ende angedeutet. Die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel ist eben kein historischer Bericht, sondern sagt etwas über den Anfang und das Ziel, sie ist auch Zukunftsvision. Der Anfang war gut und am Ende wird alles sehr gut sein. Diese Erzählung wurde geschrieben, als das Volk Israel nach Babylon verschleppt worden war und gerade gar nichts gut war. In dieser Situation gibt sie Ermutigung und Hoffnung, dass es am Ende gut werden wird. Allerdings wird dieses Ende nicht mit dem Bild eines individuellen menschlichen Glücks ausgemalt – nicht wie im Kino, wenn beide sich kriegen und das Ziel im privaten Happy End liegt. Zielpunkt der Schöpfungsgeschichte ist der Schabbat, die Ruhe – für alle und alles. Ein wenig davon erleben wir an jedem Sonntag. Wir ruhen aus, weil Gott ausruht. In der endzeitlichen Zukunft droht der Einbruch der Chaosmächte nicht mehr. Das Töten hat ein Ende. Menschen und Tiere ernähren sich von dem, was Gott ihnen gibt: die Pflanzen! Vegane Ernährung ist keine Erfindung der heutigen Zeit, sondern hat eine gute biblische Tradition.  Natürlich finden diejenigen, die gern Fleisch grillen, auch passende Traditionsstränge in der Bibel – es gibt unterschiedliche Belegstellen, das ist ja fast immer so.

Beginning [Foto: Greg Rosenke, Unsplash]

Wir sind also jetzt in unserer Welt, unserem Kosmos mitten zwischen Ursprung und Ziel unterwegs und fragen uns, was gut ist – angesichts der Krisen, die es zu bewältigen gilt. Uns ist bewusst, dass die Erderwärmung ein Stadium erreicht hat, bei dem in wenigen Jahren Effekte einsetzen werden, welche die Erwärmung noch weiter unumkehrbar stark beschleunigen, wenn wir nicht sofort alles tun, um die Erwärmung zu stoppen. Dabei steht drastische Einsparung beim CO2-Ausstoß im Zentrum aller gesellschaftlichen und politischen Überlegungen. Viele bemühen sich nach Kräften, ihren Lebensstil entsprechend zu ändern und aktiv zum Klimaschutz beizutragen, und dennoch scheint der Durchbruch in die richtige Richtung bisher nicht zu gelingen. Was trägt unsere Schöpfungsgeschichte am Beginn der Bibel in der Frage nach dem guten Weg aus der Klimakrise aus? Um das zu beantworten, müssen wir erstmal feststellen, dass es eine große Klippe, ein Hindernis, gibt, das bei aller wunderbaren Poesie störend im Text heraussticht: Wir müssen auf uns selbst, auf uns Menschen blicken. Da wird am Beginn der Bibel gesagt, dass die Menschheit in ihrer ganzen Vielfalt und Unterschiedlichkeit Bild Gottes ist. In der Antike war es so, dass die Herrscher Statuen, also Bilder, von sich aufstellen ließen oder Statthalter als Stellvertreter bestimmten. Diese vertraten dann den Herrscher in Abwesenheit, hielten seine Herrschaft aufrecht. Und wenn es um den Vertreter Gottes auf Erden ging, dann war dies in der damaligen Zeit in der Regel der König. Das revolutionäre an der biblischen Schöpfungsgeschichte ist, dass nicht ein einzelner Herrscher Abbild Gottes ist, sondern die ganze Menschheit – ausdrücklich einschließlich aller, die sich weiblich verstehen. So weit so gut.