Rauhe Nächte – Teil 1

Impuls für den 28. Dezember

Der Vater

Vater werden kann auch schwer sein. Josef will zu Beginn sich herauswinden aus der Weihnachtsgeschichte. Er will Maria still und heimlich verlassen, ohne Aufsehen und ohne Skandal. Einfach den Ausgang nehmen und nichts mehr damit zu tun haben.

Aber: Er wird gebraucht. Deshalb träumt er von einem Boten: „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen“ (Matthäus 1,20), das sagt der zu ihm. Und er sagt es so, dass Josef darauf hört und seinem Traum folgt.

Denn es ist nicht so, dass Männer nicht ihren Träumen folgen würden oder ihrer inneren Stimme. Wer es nicht tut, der spürt irgendwann eine Leerstelle in sich. Ein Ziehen oder einen unterschwelligen Schmerz. Und manche bekommen dann spät noch die Kurve. Holen als Großvater nach, was sie als Vater versäumt haben.

Josef wird gebraucht – auch nach der Geburt. Wieder hat er einen Traum: „Da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage…“ (Matthäus 2,13). Es geht darum, Mutter und Kind vor dem gewalttätigen König Herodes zu schützen. Und hier bleibt nichts anderes als eine beherzte Flucht. Das ist die Aufgabe für Josef.

Ein Auftrag von Gott – denn Gott selbst hat sich in diesem Kind so verletzbar gemacht, dass er beschützt werden muss. Um Gottes willen muss man die Kinder retten. Denn da steht der Sinn auch unseres Lebens mit auf dem Spiel.

Wie können Kinder einen beschützten Platz in dieser Welt bekommen? Wie bewahrt man sie vor Gewalt und Not, vor Angst und Hunger? Diese Josefs-Aufgabe bleibt bestehen in jeder Generation. Daran wird man uns messen, das ist der Maßstab. Und das ist das Glück, wenn es gelingt.

Father [by Sebastian Leon Prado via Unsplash]