Rauhe Nächte – Teil 1

Impuls für den 29. Dezember

Boten-Engel

Engel heißen die Boten in der Bibel. Und sind doch nicht nur geflügelte Wesen, sondern vor allem: solche mit einer Botschaft. Sie kommen zu Maria und zu Josef, zum Priester Zacharias wie auch zu Hirten und Weisen. Sie kommen im Traum und in der Nacht, unerwartet und plötzlich.

Als Erstes sagen sie: „Fürchte dich nicht!“. Denn das, was sie zu sagen haben, durchbricht die Gewohnheiten, das Gehäuse des Erwartbaren. Ihre Unbedingtheit verursacht einen heiligen Schrecken. Ihre Radikalität stellt alles infrage. Wer auf sie hört, für den ist hinterher die Welt eine andere. Und vor allem: die Hörenden selbst werden andere.

Die Boten lehren, sich nicht vor der Wahrheit zu fürchten, sondern vor dem, was wahrhaft zu fürchten ist: die Wahrheit zu verfehlen. Weiterzumachen im Üblichen. Sich einzukapseln im Lauf der Dinge. Der Engelsschrecken macht wach – und wer so wach ist, der soll sich nicht wieder einschläfern lassen.

„Fürchte dich nicht!“ – Einiges wird zu Ende gehen. Anderes wird neu werden. Beides braucht Dich, Deine Furchtlosigkeit, Deinen Mut – und den der anderen. Du bleibst nicht allein. Die dem Engel begegnet sind, die werden einander erkennen. Und miteinander gehen. Es gibt eine Wahlverwandtschaft der Menschen, die aufgewacht sind. Eine Zusammengehörigkeit aller, die unterwegs sind.

Angel [by Insung Yoon via Unsplash]