Rauhe Nächte – Teil 1

Impuls für den 30. Dezember

Hirten

Sie sind die Ersten, die von der Geburt im Stall hören. Die Ersten, die sich auf den Weg machen, das Wunder zu sehen. „Lasst uns nun gehen gen Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist…“ (Lukas 2,15). Und dann erzählen sie weiter von dem, was sie da gehört und gesehen haben in der Nacht.

Hirten sind Experten für Nachtwachen und für die Geschichten, die man sich dort erzählt, wenn die Nacht gar kein Ende nehmen will. Deswegen kann man sicher sein, dass sie richtig gute Verbreiter sind für gute Nachrichten. Und für das Mit-Freuen über ein unverhofftes Glück.

Jesus erzählt von einem Hirten, der ein verlorenes Schaf sucht, bis er es wieder findet. „Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.“ (Lukas 15,6). Dann beginnt das Fest.

Und Jesus selbst ist wie ein Hirte gesehen worden. „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ – so beginnt der 23. Psalm – und dies ist auf den einen bezogen worden, der mitgeht: „…steht auch mir zur Seite, still und unerkannt…“. „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Psalm 23,4) – so sagt es der Psalm.

Jesus ist immer wieder so erlebt worden: als der, der dem Verlorenen nachgeht, um es wieder zu finden und nach Hause zu bringen. Weil er keinen aufgeben will und niemand endgültig verloren gehen soll. An den Grabplatten der frühen christlichen Friedhöfe war nicht der Gekreuzigte abgebildet, sondern der „gute Hirte“: Jesus, der auch noch in den Tod geht, um die Menschen zu retten und nach Hause zu bringen.

Am Ende des Jahres denken wir an all das, was wir verloren haben. Auch an die Menschen, die wir vermissen. Die Trauer meldet sich wieder, manchmal auch eine sehr alte Trauer. Und es ist gut, wenn auch dies sein darf. Und gut ist es, sich zu vergewissern: All dies ist in guten Händen aufgehoben: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“ (Psalm 23,6).

Sheep [by Julian Schiemann via Unsplash]