Rauhe Nächte – Teil 1

Impuls für den 31. Dezember

Segen im Übergang

Eine Geschichte aus der Bibel, die von einem Übergang erzählt: „Jakob stand auf in der Nacht und nahm seine beiden Frauen und die beiden Mägde und seine elf Söhne und zog durch die Furt des Jabbok. Er nahm sie und führte sie durch den Fluss, sodass hinüberkam, was er hatte. Jakob aber blieb allein zurück. Da rang einer mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.“ (1. Mose 32,23-25).

Der Fluss markiert eine Grenze zwischen dem, was war, und dem, was kommt. Jakob fürchtet sich vor beidem: vor dem, was hinter ihm liegt, und vor dem, was auf ihn zukommt. In beidem hat er eigentlich keinen Platz mehr. Es sei denn – er selber wird ein anderer.

Der Kampf dauert eine ganze Nacht: ein merkwürdiger Ringkampf mit einem Gegner, der sich nicht zu erkennen gibt. Und der nicht zu besiegen ist. Jakob muss hier standhalten – sonst war er immer wieder ausgewichen und geflohen. Hier hält er aus – eine ganze Nacht lang, bis zum Morgen.

„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“, das sagt Jakob zu seinem Gegenüber beim Morgengrauen. Der Segen, den er schließlich bekommt, besteht in einem neuen Namen: „Israel“- „Gottesstreiter“ soll er heißen, nicht mehr Jakob. Ein neuer Name – mit der Chance, als ein Veränderter neu anzufangen. Nicht festgelegt zu sein auf die Vergangenheit, einen neuen Weg vor sich zu haben.

Jakob geht gezeichnet aus dieser Nacht hervor, mit einem Hinken nach dem Schlag auf die Hüfte. „Gesicht Gottes“ nennt Jakob diesen Ort, von dem er als ein Gewandelter weiterzieht: „Denn ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.“ (1. Mose 32,31). Und danach sieht er das „Gesicht Gottes“ auch an anderen Orten: zum Beispiel auf dem Gesicht seines Bruders, mit dem er sich versöhnt. Vieles aus der Vergangenheit kann man nicht mehr ungeschehen machen. Die Geschichte des gelebten Lebens kann einem zur Last werden oder auch zum Gefängnis. Segen ist hier: die Chance, verändert zu werden und neu zu beginnen. Indem einer wahrhaftig wird und standhält.

New Years Blessing [by Danil Aksenov via Unsplash]