Rauhe Nächte – Teil 2

Impuls für den 02. Januar

Die Dunkelheit

Es ist selten geworden, dass wir wirklich von Dunkelheit umgeben sind. Die Besatzung der ISS sieht ein Netz von Leuchtspuren auf der Erde. „Lichtverschmutzung“ sagt man dazu. Die Nacht ist an wenigen Orten nur noch wirklich dunkel. Und deshalb sieht man nur an wenigen Orten noch den Nachthimmel voller Sterne. Es braucht Dunkelheit, um die Fülle der Sterne wahrzunehmen. Der natürliche Wechsel von Helligkeit und Finsternis ist durcheinander gekommen. Die Aufhellung der Dunkelheit führt ins Zwielicht. Die Vermeidung der Erfahrung von Finsternis führt in die Stagnation.

So fühlen sich Menschen, wenn sie die Polaritäten in ihrem Leben nicht mehr erfahren können: unlebendig. Es braucht die dunklen Zeiten, das Schweigen und das Warten. Unsichtbar reift darin etwas heran. Unter der Oberfläche des Sichtbaren wächst etwas. Es ist nicht leicht, dies zu akzeptieren. Es fühlt sich an wie ein Verlust der Kontrolle. Und doch ist dies ein wesentlicher Teil von allen menschlichen Reifungen und Wandlungen: mit der Dunkelheit zu leben und die Nachtseite anzunehmen.

Darkness [by Cherry Laithang via Unsplash]