GUTE ORTE

Von Chantal Schierbecker, Frauenwerk Altholstein

Vicelinkirche, Neumünster
Andreas Geick [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)]

IMPULS:

Wo war alles gut und wo ist alles gut? Wir machen uns zu Fuß auf: Zeigen Sie uns Ihren guten Ort in Neumünster! Eine Idee zum Nachmachen und Weiterdenken.

Zum Treffpunkt des Stadtspazierganges zum Jahresthema der Frauenarbeit fanden sich 6 Frauen ein. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde erzählte jede ihren „guten Ort“ in Neumünster und wir verabredeten anhand des Stadtplanes eine Route: das Anscharforum direkt vor unserer Haustür Rencks Park – der kleine Park am Teich – die Vicelinkirche – das Pflegeheim „Stadtdomizil“ – ein Geschäftshaus in der Straße „Am Kuhberg“.

Jede Teilnehmerin zog sich ein Puzzleteil zum Jahresthema. Das konnte sie später mit ihrem guten Ort in Verbindung bringen.

  • Zum ersten Punkt waren es wenige Meter und wir standen auf einem Platz umrahmt von kirchlichen Häusern, der Anscharkirche und einem Spielplatz. Die Teilnehmerin berichtete, dass es für sie ein guter Ort der Entscheidungen in kirchlichen Gremien ist. Auf ihrem Puzzleteil stand das Wort MORGEN. Wir sprachen über die Hoffnung, dass an diesem Ort weiterhin tragfähige Entscheidungen ihren Lauf nehmen. Weitere Teilnehmerinnen brachten ihre Erfahrungen ein. Ich stellte die Frage: Was macht diesen Ort zu einem guten Ort für andere Menschen? Der Spielplatz, der Treffpunkt für Jugendliche, eine freie Wiese mit blühenden Krokussen im Frühling.
  • Wir gingen weiter in Rencks Park, einem Park in der Innenstadt. Die begleitende Frage hieß: Wozu lädt dieser Ort ein? Ruhen, verweilen, den Lärm der Straße hinter sich lassen, verstecken spielen. Die Teilnehmerin beschrieb diesen Park als guten Ort ihrer Kindheit. Ihre Großmutter erzählte ihr, dass die damals vorhandenen Wasserspiele, extra für sie und den Bruder gebaut seien. Sie hatte das Puzzleteil: UND SIEHE. Wir sahen uns um und nahmen die Schönheit des Ortes wahr.
  • Weiter ging es, die Innenstadt kurz querend, zu einer Grünanlage am Teich. Hier fragte ich nach Worten, die den Teilnehmerinnen an diesem guten Ort durch den Kopf gingen? Ein Durchgang zu zentralen Plätzen der Stadt, kurz verweilen, die Stadt beobachten, zum Mittagessen gehen. Die Teilnehmerin hatte das Puzzleteil GUT gezogen und für sie war dieser kleine Park ein guter Ort, weil sie die Möglichkeit hat, immer mal kurz auszuruhen und sich der Hektik der Stadt zu entziehen.
  • Wir gingen weiter vorbei an Baustellen zur Vicelinkirche. Dort hörten wir einer Chorprobe kurz zu und ließen den Kirchraum auf uns wirken. Meine Frage an diesem Ort war: An welchen Ort erinnert mich diese Kirche? Welche Bilder kommen mir in den Kopf? Die Kirche wurde als guter Ort gewählt, weil die Teilnehmerin hier geheiratet hat und ihre Kinder getauft wurden. Dieser Ort markiert einige Eckpunkte in ihrem Leben. Sie hatte das Puzzleteil MORGEN dabei und verband damit die Hoffnung, auch künftig in Verbindung mit Kirche und christlicher Gemeinschaft zu bleiben.
  • Ein längerer Fußweg führte uns zum Pflegeheim Stadtdomizil. Das war mein gewählter guter Ort. Wir waren telefonisch angekündigt und haben uns im Foyer gesammelt. Ich fragte: Warum kann dieser Ort ein guter Ort sein für Menschen? Kontakte, Gemeinschaft, aus der häuslichen Einsamkeit heraus kommen, umsorgt werden… Für einige Frauen wirkte dieser Ort jedoch bedrückend, nicht von Freiwilligkeit geprägt, dem Alter und Krankheit ausgeliefert sein. Für mich war das Pflegeheim viele Jahre ein guter Ort, weil ich in Gottesdiensten und Gesprächen viel Herzlichkeit, Ehrlichkeit und christliches Miteinander erfahren habe. Mein Puzzleteil: WAR ALLES, heißt für mich: hier an diesem Ort war es längst noch nicht alles mit der Lebensfreude.
  • Von dort aus ging es weiter, vorbei an einer Stelle, an der ein junger Mann vor wenigen Tagen gewaltsam um sein Leben kam. Blumen, Kerzen, Trauernde, Polizei – alle waren an diesem Ort. Wir machten etwas Abseits eine Pause und fragten uns. Ist das hier kein guter Ort, weil Menschen einander Gewalt und Leid antun? Nach einiger Diskussion ging es weiter zur letzten Station des Stadtspazierganges.
  • In der Straße Am Kuhberg blieben wir vor einem Geschäftshaus stehen. Diesmal sollten wir raten, warum dieser Ort für die Teilnehmerin ein guter Ort war. Wir fanden heraus, dass sie hier im Büro der Gewerkschaft ihr Arbeitsleben verbrachte. Zudem entwickelte sie einhergehend ihre Persönlichkeit, ihr politisches Denken, ihr soziales Engagement.

Zum Abschluss des Stadtspazierganges fassten wir noch einmal unsere Erfahrungen zusammen: Neumünster – eine Stadt der Gegensätze, ich habe heute wirklich Neues erfahren, ich wusste gar nicht, dass es hier so Grün ist…. Wir hielten alle Puzzleteile zusammen und lasen noch einmal das vollständige Jahresthema: Und siehe: Morgen war alles gut.

Anlass:

Stadtspaziergang in Neumünster am Montag, 17.09.2018 von 17 bis 19 Uhr, zum Jahresthema der Frauenarbeit der Nordkirche.

Info:

Bestellung von Puzzle und Postkarten zum Jahresthema: siehe rechter Seitenrand!