Aus dem Leben einer Tomatenpflanze

Neues von Paulinchen


„Keine ist so schön wie Paulinchen! Samtig-weich und zugleich ein wenig kitzlig fühlt es sich an, wenn ich sie berühre. Das Zusammenspiel der Farben, das dunkle Flaschengrün und mit dem zart leuchtenden Gelb, kleidet sie wunderbar. Ich schaue jeden Tag nach ihr. Seit genau sechs Monaten begleitet sie mein Leben.

Paulinchen ist meine Tomatenpflanze. Es ist die erste Tomatenpflanze, die ich nicht auf dem Wochenmarkt gekauft, sondern selber aus einem winzigen Samenkorn gezogen habe. Anfang Februar habe ich sie auf der Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche gepflanzt. Den Wunsch ein praktisches und niedrigschwelliges Projekt zum Klimaschutz ins Leben zu rufen, haben Frauen aus der ganzen Nordkirche bei der Abschlussandacht bekräftigt. Dabei hat jede einen winzigen Tomatensamen in ein kleines Töpfchen Erde gesteckt. Die Saat, die mir zufiel, hatte den Namen Paulinchen.

In meinem Auto zog das Töpfchen von Marne nach Kiel um und fand seinen Platz auf unserem Küchentisch. Ab und zu eine kleine Portion Wasser! Keine Zeit für mehr Zuwendung, das Einräumen der Wohnung war dringlicher.  Ein freudiger Schauer durchfuhr mich, als ich tatsächlich die allerersten winzigen Blättchen auf der braunen Erde entdeckte – kleiner als Stecknadelköpfe. Das soll eine Tomate werden? Na, wenn das man kein Unkräutlein ist, das da so schnell aus dem Nichts auftaucht. Weiter gießen, viel Geduld, dann mein großer Schrecken: die beiden Keimblätter verfärben sich gelb, werden welk, also doch mehr brauner Damen und zu viel Umzug! Das war‘s dann wohl! Auf dem Topf prangte der Aufkleber mit dem Jahresthema der Frauenarbeit – „Mut wächst!“. Paulinchen schien der Mut zum Wachsen verlassen zu haben. Meine Hoffnung sank in den Keller. Diese kleinen gelben Blättchen welkten viele Tage vor sich hin. Sollte ich mehr Wasser geben oder doch lieber weniger? Ich war ratlos und ließ – fast wie zur Beerdigung meines Projektes – etwas Kaffeesatz in das Töpfchen rieseln. Mein Mann trinkt bekanntlich „Lazaruskaffee“, also ein Gebräu, das Tote aufzuerwecken vermag.

Bei Paulinchen klappte es. Mitten in der tiefsten Verunsicherung des Corona-Lockdowns zeigte sie das erste zauberhafte Tomatenblättchen mit den typischen Einkerbungen und einem zarten Flaum auf tiefgrünem Grund. Ich war verzückt. Von da an wuchs mein Mut, mich trotz Corona in dieser Wohnung und dieser Stadt einleben zu können mit jedem Millimeter, den mein Tomatenpflänzchen zulegte. Es kamen kleine Rückschläge. Paulinchen forderte meine Geduld. Um Ostern herum zweifelte ich, ob ich jemals eine Tomate würde ernten können, so winzig war dieses Pflänzchen immer noch, aber darauf kam es mir gar nicht mehr an. Paulinchen war für mich längst mehr geworden als eine Nutzpflanze. Vor einem halben Jahr war es für mich total unvorstellbar, dass aus dem Samenkorn so ein Dschungel von grünen Blättern wachsen würde. Jetzt blüht Paulinchen leuchtend gelb auf unserem Balkon. Eigentlich sollten schon Tomaten zu sehen sein, die sich freundlich röten und ernten lassen. Ich weiß – ich hätte wohl noch mehr ausgeizen sollen. Egal – es geht hier nicht um die Größe meiner Ernte! Hier ist eine Beziehung in mein Leben getreten, die etwas mit Sorge und Verantwortung zu tun hat, nicht nur einseitig, sondern sogar gegenseitig. Diese Pflanze hat dafür gesorgt, dass mein Mut gewachsen ist und meine Hoffnung gestärkt wurde.“

Katja Hose [im August 2020]

Und reif ist Paulinchen doch geworden – trotz Umzug, Rückschlägen, zu wenig Sonne und braunem Daumen, trotz oder wegen „Lazarus-Kaffee“, mit viel Geduld, Liebe und Mut. Und, wenn ich das richtig behalten habe, dann macht die alten, samenfesten Sorten ja gerade so stark, dass sie gegen ungünstige äußere Einflüsse resistenter sind. 🙂 Die Saat fürs neue Jahr ist auch schon gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, Katja! [FP]

Ein Projekt mit Bodenhaftung

„Klimabewusstsein erden“ – die neue Projektkoordinatorin stellt sich vor

von Inga Hillig-Stöven, Frauenwerk der Nordkirche


Dr. Inga Hillig-Stöven

Mein Name ist Inga Hillig-Stöven. Seit dem 1. August 2020 arbeite ich als Projektkoordinatorin für das Projekt „Mut wächst – Klimabewusstsein erden“ im Frauenwerk der Nordkirche. Ich habe in Würzburg Biologie studiert. Mein Studienschwerpunkt lag im Bereich Pflanzenphysiologie. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin habe ich am Institut für Allgemeine Botanik im Botanischen Garten in Hamburg Klein Flottbek meine Doktorarbeit verfasst.

Ich bin mit dem Gemüsegarten meiner Eltern aufgewachsen, bewirtschafte auch selbst einen Gemüsegarten und kenne mich daher mit Gemüseanbau aus. Es ist mir ein großes Anliegen alte samenfeste Gemüsesorten zu bewahren, sie selber anzupflanzen und außerdem deren Saat zu ernten.

Mein Kompost

Auch die eigene Herstellung von Kompost und damit die Bindung von Kohlenstoff im Boden liegt mir sehr am Herzen. So kann ich in kleinen Schritten aktiv daran mitwirken, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu senken. Die Humusbildung ist ein sehr wichtiges Ziel des Projekts und stellt ein großes Potential zur CO2-Speicherung dar. Jede kann auf diese Weise dem Klimawandel entgegentreten.

Ich bin sehr froh, für dieses Projekt zu arbeiten und freue mich über zahlreiche Teilnehmer*innen, die mit uns die Schöpfung Gottes bewahren.

Gerne beantworte ich Ihre Fragen.


Kontaktdaten:

Mutmach-Lied für den Herbstanfang

Closer to Fine

von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Manchmal kann es in dieser Zeit hilfreich sein (mal abgesehen von Corona) nicht alles, was im Leben schief läuft, gleich als Krise einzustufen. So halten es jedenfalls die Indigo Girls. Die beiden Musikerinnen Emily Saliers und Amy Ray aus Atlanta in den USA machen seit über 30 Jahren gemeinsam Musik und sind genau so lang auch politisch aktiv. Frauenrechte und die Rechte von Lesben und Schwulen in Amerika sind nur zwei Themen auf ihrer Agenda.

In einem ihrer größten Hits „Closer to Fine“ von 1989 (!) singen sie von der beständigen Suche nach dem Sinn des Lebens; nach dem, was endlich heil und gut und vollkommen macht. Sie zählen dabei auf, was sie alles auf sich nehmen, um diesen einzig wahren Sinn zu finden bis sie schließlich zu der Erkenntnis gelangen, dass es ihnen umso besser geht, je weniger sie danach suchen.

Indigo Girls live in New York City, 2015 [by will is via Flickr]

Ich bin eher zufällig auf die Indigo Girls aufmerksam geworden und für mich sind sie eine echte Entdeckung, was mich wiederum nachdenklich macht. Ohne den Anspruch zu haben (pop-) musikalisch umfassend gebildet zu sein, stellt sich mir die Frage, warum diese Musikerinnen und ihre Musik nich bekannter sind. Warum hatten sie nicht ähnliche oder annähernd so große Erfolge wie bspw. R.E.M., die aus derselben Gegend in Georgia stammen und aus derselben „Zeit“ und mit denen die Indigo Girls auch musikalisch zusammengearbeitet haben? An der Klasse ihrer Musik kann es jedenfalls nicht liegen, denn die ist mitreißend, tiefgründig, mutmachend und ganz offensichtlich zeitlos.

Wahrscheinlich liegt der Grund für die relative Unbekanntheit der Indigo Girls gemessen am Grad ihres Könnens und ihres Talents irgendwo hier verborgen: Frauen mit Gitarren – Frauen mit Gitarren, die Punkrock und Folkpop verbinden – Frauen mit Gitarren, die Punkrock und Folkpop verbinden und nicht dem gängigen, vermarktbaren Schönheitsideal entsprechen – Frauen mit Gitarren, die Punkrock und Folkpop verbinden, nicht dem gängigen, vermarktbaren Schönheitsideal entsprechen und Christinnen sind – Frauen mit Gitarren, die Punkrock und Folkpop verbinden, nicht dem gängigen, vermarktbaren Schönheitsideal entsprechen, Christinnen und lesbisch sind – Frauen mit Gitarren, die Punkrock und Folkpop verbinden, nicht dem gängigen, vermarktbaren Schönheitsideal entsprechen, Christinnen, lesbisch und politisch aktiv sind. So groß ist keine Schublade der Popindustrie.

Vielleicht sind die Indigo Girls genau deshalb heute noch da. Nirgendwo ganz hineinzupassen und dazuzugehören kann ja auch ein Segen sein. Bleibt festzuhalten: R.E.M. gibt es nicht mehr, die Indigo Girls schon und in diesem Frühjahr ist mit „Look Long“ ihr 15. Studioalbum erschienen. Über die Jahre haben sie sich, vor allem in den USA, eine treue Fangemeinde erspielt – aufgrund ihrer facettenreichen Musik, aufgrund ihres vielfältigen politschen Engagements und aufgrund ihrer mutmachenden Echtheit.

Indigo Girls – Closer to Fine (Live at the Fillmore, 2000)

Closer to Fine von Indigo Girls

I’m tryin‘ to tell you somethin‘ ‚bout my life (Ich versuche, dir etwas über mein Leben zu erzählen.)
Maybe give me insight between black and white (Vielleicht kannst Du mir Einsicht geben in die Zwischenräume.)
And the best thing you’ve ever done for me (Und das Beste, das du jemals für mich getan hast,…)
Is to help me take my life less seriously (…ist, mir zu helfen, mein Leben weniger ernst zu nehmen.)
It’s only life after all, yeah (Es ist schließlich nur Leben.)

Well darkness has a hunger that’s insatiable (Aber die Dunkelheit ist unersättlich…)
And lightness has a call that’s hard to hear (…und die Leichtigkeit oft zu leise.)
I wrap my fear around me like a blanket (Ich wickle mich in meine Angst wie in eine Decke.)
I sailed my ship of safety ‚til I sank it (Ich segle mein Sicherheits-Schiff bis ich es zum Kentern bringe.)
I’m crawling on your shores (Ich rette mich an deine Küste.)

And I went to the doctor, I went to the mountains (Ich ging zum Arzt, ich ging in die Berge.)
I looked to the children, I drank from the fountains (Ich nahm mir ein Vorbild an den Kindern, ich trank aus den Brunnen.)
There’s more than one answer to these questions (Es gibt mehr als eine Antwort auf diese Fragen…)
Pointing me in a crooked line (…die mich umtreiben/ beugen.)
And the less I seek my source for some definitive (Und je weniger ich die Quelle des einzig wahren Sinns suche,…)
The closer I am to fine, yeah (…umso besser geht’s mir.)
The closer I am to fine, yeah

And I went to see the doctor of philosophy (Ich traf einen Doktor der Philosophie.)
With a poster of Rasputin and a beard down to his knee (Der hatte ein Poster von Rasputin und einen Bart, der ihm bis zu den Knien reichte.)
He never did marry or see a B-Grade movie (Er hat nie geheiratet und nie einen zweitklassigen Film gesehen.)
He graded my performance, he said he could see through me (Er bewertete mein Aufreten und sagte, er könne durch mich hindurch sehen.)
I spent four years prostrate to the higher mind (Ich verbrachte vier Jahre damit, die höhere Bewusstseinsebene zu erreichen,…)
Got my paper and I was free (…dann erhielt ich eine Teilnahmebestätigung und war frei.)

I went to the doctor, I went to the mountains…

I stopped by the bar at three a.m. (Um drei Uhr nachts ging ich in eine Bar,…)
To seek solace in a bottle, or possibly a friend (…um Trost im Alkohol zu suchen, oder vielleicht einen Freund.)
And I woke up with a headache like my head against a board (Ich wachte auf mit Kopfschmerzen, als hätte ich meinen Kopf gegen ein Brett geschlagen…)
Twice as cloudy as I’d been the night before (…und war doppelt so benommen wie in der Nacht zuvor…)
And I went in seeking clarity (…als ich in die Bar kam, um Klarheit zu suchen.)

I went to the doctor, I went to the mountains…

Yeah, we go to the Bible, we go through the work out (Wir lesen in der Bibel, wir trainieren hart.)
We read up on revival, we stand up for the lookout (Wir lesen alles über Erweckung/ Wiederkehr, wir stehen auf Wachposten.)
There’s more than one answer to these questions (Es gibt mehr als eine Antwort auf die Fragen,…)
Pointing me in a crooked line (…die mich umtreiben/ beugen.)
And the less I seek my source for some definitive (Und je weniger ich nach der Quelle des einzig wahren Sinns suche,…)
The closer I am to fine (…umso besser geht’s mir.)
The closer I am to fine
The closer I am to fine, yeah

Songwriter: Amy Elizabeth Ray / Emily Ann Saliers; Songtext von Closer to Fine © Universal Music Publishing Group

Es war gut! Und jetzt?

Schöpfungsgeschichte und Klimakrise

von Katja Hose, Frauenwerk der Nordkirche


Keine ist so schön wie Paulinchen! Samtig-weich und zugleich ein wenig kitzlig fühlt es sich an, wenn ich sie berühre. Das Zusammenspiel der Farben, das dunkle Flaschengrün und mit dem zart leuchtenden Gelb, kleidet sie wunderbar. Ich schaue jeden Tag nach ihr. Seit genau sechs Monaten begleitet sie mein Leben.

„Paulinchen“ im August [Foto: Katja Hose]

Paulinchen ist meine Tomatenpflanze. Es ist die erste Tomatenpflanze, die ich nicht auf dem Wochenmarkt gekauft, sondern selber aus einem winzigen Samenkorn gezogen habe. Anfang Februar habe ich sie auf der Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche gepflanzt. Den Wunsch ein praktisches und niedrigschwelliges Projekt zum Klimaschutz ins Leben zu rufen, haben Frauen aus der ganzen Nordkirche bei der Abschlussandacht bekräftigt. Dabei hat jede einen winzigen Tomatensamen in ein kleines Töpfchen Erde gesteckt. Die Saat, die mir zufiel, hatte den Namen Paulinchen.

In meinem Auto zog das Töpfchen von Marne nach Kiel um und fand seinen Platz auf unserem Küchentisch. Ab und zu eine kleine Portion Wasser! Keine Zeit für mehr Zuwendung, das Einräumen der Wohnung war dringlicher.  Ein freudiger Schauer durchfuhr mich, als ich tatsächlich die allerersten winzigen Blättchen auf der braunen Erde entdeckte – kleiner als Stecknadelköpfe. Das soll eine Tomate werden? Na, wenn das man kein Unkräutlein ist, das da so schnell aus dem Nichts auftaucht. Weiter gießen, viel Geduld, dann mein großer Schrecken: die beiden Keimblätter verfärben sich gelb, werden welk, also doch mehr brauner Damen und zu viel Umzug! Das war‘s dann wohl! Auf dem Topf prangte der Aufkleber mit dem Jahresthema der Frauenarbeit – „Mut wächst!“. Paulinchen schien der Mut zum Wachsen verlassen zu haben. Meine Hoffnung sank in den Keller. Diese kleinen gelben Blättchen welkten viele Tage vor sich hin. Sollte ich mehr Wasser geben oder doch lieber weniger? Ich war ratlos und ließ – fast wie zur Beerdigung meines Projektes – etwas Kaffeesatz in das Töpfchen rieseln. Mein Mann trinkt bekanntlich „Lazaruskaffee“, also ein Gebräu, das Tote aufzuerwecken vermag.

„Paulinchen“ im April [Foto: Katja Hose]

Bei Paulinchen klappte es. Mitten in der tiefsten Verunsicherung des Corona-Lockdowns zeigte sie das erste zauberhafte Tomatenblättchen mit den typischen Einkerbungen und einem zarten Flaum auf tiefgrünem Grund. Ich war verzückt. Von da an wuchs mein Mut, mich trotz Corona in dieser Wohnung und dieser Stadt einleben zu können mit jedem Millimeter, den mein Tomatenpflänzchen zulegte. Es kamen kleine Rückschläge. Paulinchen forderte meine Geduld. Um Ostern herum zweifelte ich, ob ich jemals eine Tomate würde ernten können, so winzig war dieses Pflänzchen immer noch, aber darauf kam es mir gar nicht mehr an. Paulinchen war für mich längst mehr geworden als eine Nutzpflanze. Vor einem halben Jahr war es für mich total unvorstellbar, dass aus dem Samenkorn so ein Dschungel von grünen Blättern wachsen würde. Jetzt blüht Paulinchen leuchtend gelb auf unserem Balkon. Eigentlich sollten schon Tomaten zu sehen sein, die sich freundlich röten und ernten lassen. Ich weiß – ich hätte wohl noch mehr ausgeizen sollen. Egal – es geht hier nicht um die Größe meiner Ernte! Hier ist eine Beziehung in mein Leben getreten, die etwas mit Sorge und Verantwortung zu tun hat, nicht nur einseitig, sondern sogar gegenseitig. Diese Pflanze hat dafür gesorgt, dass mein Mut gewachsen ist und meine Hoffnung gestärkt wurde.

Lebendige Hoffnung

Zeichen des Lebens


Die in den meisten Fällen eher unfreiwillg zu Hause verbrachte Zeit während des Corona-Lockdowns war für manche auch Gelegenheit, ihre Ängste, Sorgen und Hoffnungen kreativ zu verarbeiten. So geschehen bei Monika Schmudde aus dem Frauenwerk Dithmarschen. Sie fasste, was sie bewegte in einen Liedtext. ⬇

Lebendige Hoffnung

Lebendige Hoffnung, Zeichen des Lebens. Das Leben wird heller, ich wage Mut. Jeder Sonntag erzählt von Auferstehung und Freude, mein Leben in Gottes Gegenwart.

1. Doch da ist auch vieles, was zum Himmel schreit. Die Sorgen und Ängste, die Mutlosigkeit. Wenn Unrecht geschieht, Natur und Menschen leiden, unzumutbares Leben zugemutet wird. Menschen fliehen und keine neue Heimat finden, die Sorge um andere, unendlich viel Leid.

Lebendige Hoffnung, Zeichen des Lebens. …

2. Vertrauen ist wie eine zarte Pflanze. Sie braucht gute Pflege und Sorgsamkeit. Jesus wendet sich mir zu aus vollem Herzen. Ich bin würdig, bedeutsam und geliebt. Ich habe Fragen und Zweifel, kann vieles nicht verstehen. Ich ringe um Antworten um das, was geschieht.

Lebendige Hoffnung, Zeichen des Lebens. …

3. Lebendig bist du, Gott. Bei dir kann ich mich zeigen. Bei dir darf ich fühlen, denken, handeln und sein. In meinen starken und schwachen Momenten nimmst du mich ernst und mein Vertrauen wächst. Mit allen Sinnen spüre ich das Leben. Ich kann dich nicht sehen. Dort begegnest du mir.

Bridge: Das Gute wird siegen. Das Böse muss weichen. Ich hör auf mein Herz, was die Liebe mir rät. Verantwortung tragen, ich lass mich bewegen, will mitwirken an dem, was anderen hilft und was trägt.

Lebendige Hoffnung, Zeichen des Lebens. …

4. Dein Geist spricht mich an. Du kommst mir entgegen. Du bringst den Frieden, der Leben schenkt. Du lädst mich ein. Du lässt mich nicht fallen. Du stehst mir zur Seite. Lebendig und nah. Gott, du siehst mich. Ich kann auf dich zählen. Selig, glückselig, im Vertrauen zu dir.

Text und Musik: Monika Schmudde
Hope [Faris Mohammed via Unsplash]

Und diesen Text hat Monika Schmudde dann auch vertont – mit kräftigem Sprechgesang in den Strophen und einer sehr eingängigen Melodie im Refrain. Vielen lieben Dank für’s Teilen! ❤ ☀ ⬇

Lebendige Hoffnung von Monika Schmudde, Frauenwerk Dithmarschen

Was gewachsen ist…

Mut im Pflanztopf


Im Projekt „Klimabewusstsein erden“ wurde im Frühjahr fleißig ausgesät. Viele selten gewordene Saaten landeten in Beet und Pflanztopf, darunter die Tomate „Paulinchen“ – und die ist inzwischen ganz schön gewachsen. ⬇

Und im Frauenwerk Altholstein ist frau nach wie vor sehr kreativ mit dem Jahresthema unterwegs. ⬇

„Mut in Kresse“ 😉 [Foto: Natascha Hilterscheid]

Auch Gott hat viele Namen!

Gottesdienstreihe in gerechter Sprache

Sprache kann die eigene Glaubenswelt verändern. Dabei spielt das Wissen um die Vielfalt der Geschlechter eine entscheidende Rolle bei den Wandlungsprozessen gottesdienstlicher Sprache, wenn der Anspruch gilt, dass niemand ausgeschlossen werden soll. Um die theoretischen Erkenntnisse einer gendersensiblen Theologie in der Praxis auszuprobieren, findet in der zweiten Jahreshälfte 2020 und 2021 eine Gottesdienstreihe in gerechter Sprache statt. Diese wird in Kooperation mit den Kirchenkreisen Hamburg Ost und Hamburg West/Südholstein, der Beauftragten für Geschlechtergerechtigkeit und dem Frauenwerk der Nordkirche durchgeführt. Interessierte Prediger:innen probieren in ihren Gottesdiensten aus, wie sich eine geschlechtliche Vielfalt sprachlich und liturgisch abbilden lässt. Die einzelnen Termine finden Sie ab Mitte Juli unter www.frauenwerk-hhsh.de oder hier: Termine Gottesdienst in gerechter Sprache

Die Reihe wird am Sonntag, den 9. August 2020 um 11.00 Uhr in der Hauptkirche St. Katharinen von Hauptpastorin und Pröpstin Dr. Ulrike Murmann eröffnet. Der Titel des Gottesdienstes lautet: Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht!

Bitte erkundigen Sie sich vorher über die geltenden Corona-Bedingungen und beachten Sie die für die Kirchen geltenden Hygieneregeln.

Außerdem findet am 21. September ein Workshop zum Thema mit verschiedenen Arbeitsgruppen statt. Um Anmeldung wird bis zum 3. September gebeten. Alle Infos dazu hier ⬇

Mutmach-Lied für den Sommeranfang

Das Licht dieser Welt

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Für einen entspannten Start in den Sommer, für eine lange Sommernacht, zum Träumen und Trösten und natürlich zum Mut-Machen: dieses kleine, schöne Lied von Gisbert zu Knyphausen: Das Licht dieser Welt.

Gisbert zu Knyphausen – Das Licht dieser Welt [Hauskonzerte Live Session]

Das Licht dieser Welt von Gisbert zu Knyphausen

Du wirfst dich hinein in das Licht dieser Welt. Dann fängst du an zu schrei’n. Es kommt ein Mensch, der dich hält. Und die Liebe, die du spürst, wirst du nie wieder verlier’n. Sie ist für dich da bis der Vorhang fällt.

Kaum ist die Nabelschnur ab, schon steh’n wir alle auf dem Schlauch. Das Chaos hier ist unendlich, doch die Liebe ist es auch. Nur deine Tränen sind es nicht, sie verändern nur die Sicht auf das, was du brauchst und das, was nicht.

Und wenn du lachst, geht alles wie von selbst. Schau‘ wie die Freude kommt und alles hier auf den Kopf stellt. Und denk‘ immer d’ran, selbst wenn das Unglück dieser Welt mal auf deine Schultern fällt: Ein neuer Tag wartet schon auf dich am Ende jeder noch so langen Nacht.

Ich wünsch‘ dir den Mut, dir zu nehmen, was du brauchst, ein lachendes Herz und Freunde zuhauf mit denen du reisen kannst, soweit wie eure Vorstellungskraft reicht. Diese Welt ist voller Wunder und ihr auch, ihr auch, ihr auch.

Und wenn ihr lacht, geht alles wie von selbst. Schau‘ wie die Freude kommt und alles hier auf den Kopf stellt. Oh, ich wünsch dir, dass immer jemand da ist, wenn du fällst, dir aufhilft und dich hält und dir ein Frühstück macht am Ende einer langen Nacht.

Und deine Zweifel und die Wut, die gehör’n zum Leben mit dazu. Doch verlier‘ dich nicht darin, denn die Liebe, die du gibst, das ist die Liebe, die du kriegst.

© Gisbert zu Knyphausen, 2017
Klatschmohn
[by Gertrud K. via Flickr]

Elfchen zum Jahresthema

Mut wächst poetisch

von Christina Löwe-Bruhn, Schleswig

[by Pezibear via Pixabay]

Hoffnung
Mut wächst
braucht stetig Nahrung
jeden Tag aufs Neue
Zuversicht

Gott
hilf, dass
Mut wachsen kann
in mir und anderen
Danke

Mut
wächst langsam
nur ganz langsam
ich schaue dabei zu
geduldig

trotzdem
will ich
Mut wachsen sehen
aus Ängsten und Zweifel
heraus

Demut
ist auch
nur eine Spielart
von wachsendem Mut in
Krisenzeiten


[by Innviertlerin via Pixabay]

Die Autorin über sich:

Ich arbeite seit vielen Jahren im Frauenwerk Schleswig-Flensburg als Ehrenamtliche. Seit 2009 bin ich Mitglied im Frauenwerksbeirat des Kirchenkreises,  jetzt Vorsitzende der Delegiertenkonferenz. Zu dem vorherigen Jahresmotto Und siehe: Morgen war alles gut haben wir im Gesprächskreis einmal Elfchen geschrieben. Das kam gut an. Daher hatte ich nun die Idee, dass das auch eine schöne Art ist, sich dem jetzigen Jahresthema kreativ zu nähern. Leider finden Gruppentreffen ja im Moment nicht statt, aber vielleicht geben meine Elfchen anderen den Anstoß, sich auch daran zu versuchen und sich ggf. schriftlich auszutauschen.

Herzliche Grüße von der Schlei, Christina Löwe-Bruhn

Andacht am Pfingstsonntag

Sie weht, wo sie will.

Von Katja Hose, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Sie weht, wo sie will.“ – von Katja Hose
Katja Hose

Mut wächst! Das gilt ganz besonders für die Freund*innen von Jesus zu Pfingsten. Sie sitzen wartend an einem Ort zurückgezogen beieinander. Plötzlich trauen sie sich hinaus – mitten hinein in die Vielfalt der Menschen und erheben ihre Stimme. Gottes Heilige Geistkraft setzt diese Dynamik in Gang. Sprechen, zuhören, antworten, verstehen – alle gemeinsam über Sprachbarrieren hinweg – das ist für mich Pfingsten, das begeistert mich bis heute. Aber wird dieser Funke zünden in unseren Kirchen, in denen wir jetzt im weiten Abstand voneinander sitzen und hinter den Gesichtsmasken murmeln und mitsummen? Die Vorstellung, dass die Heilige Geistkraft uns Menschen wirklich pfingstlich ergreift, aus den Kirchenbänken zieht, Fremde miteinander in den Kontakt bringt und sich ansteckend untereinander fortpflanzt, wird wohl allen Verantwortungsträger*innen in diesen Tagen den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Findet die Geistkraft überhaupt zwischen den mit Sorgfalt ausgearbeiteten und diszipliniert umgesetzten Sitzordnungen Raum? Ich mache mir da keine Sorgen. Sie weht, wo sie will. Sicherheitsabstände sind für sie keine Hürde. Ihr frischer Wind vermag den Corona-Blues zu vertreiben. Und dabei muss kein Mensch unvorsichtig werden.

[by MW via Pixabay]

Was lässt mich auf diesen Geist des Lebens, den Gott pfingstlich ausgießt, vertrauen? Dingfest machen, in Besitz nehmen, für sich pachten lässt die Geistkraft sich nicht, aber dieses wunderbar lautmalerische hebräische Wort weist mir die Richtung:  Die „Ruach“ raunt bei jedem Atemzug durch meinen Körper. Dieses hebräische Wort kann „Atem“, „Wind“ oder auch „Geist“ bedeuten.  Wenn ich ganz bewusst tief Luft hole und dann wieder ausatme, komme ich zu mir selbst, finde meine Ruhe und spüre, wie ich unwillkürlich etwas tue, was zugleich mit mir geschieht. Gottes Geistkraft muss sich nicht unbedingt ekstatisch, laut und alles durcheinanderwirbelnd in unsere Welt mischen. Sie kennt auch ganz andere Wege. Mein stilles Atmen verbindet mich mit ihr und lässt mich lauschen. Ich strecke mein Ohr aus nach dem sanften Sausen, mit dem zum Beispiel Elia Gottes Nähe spürte, als er sich in die Felsspalte am Horeb zurückzog (1. Könige 19). Ein Mund-Nasenschutz, der sinnvollerweise bei Begegnungen zu tragen ist, hält die Tröpfchen mit den Viren auf. Meine Verbindung zu Gottes Lebenskraft lässt sich dadurch aber nicht stören. Mein Atem weist mir die Richtung, wie ich der Geistkraft nachspüren kann.

Im Pfingstgeschehen liegt aber noch mehr als die spirituelle Erfahrung, dass Gottes Kraft mich wie mein Atem durchströmen kann. Pfingsten zeigt, dass Gott nicht nur in einzelnen besonderen Persönlichkeiten wirkt, sondern die Heilige Geistkraft zu allen Menschen in ihrer großen weltweiten Vielfalt kommt und sie einander verstehen lässt. Das macht mir Hoffnung in diesen Tagen und lässt meinen Mut wachsen.

Die Corona-Pandemie bringt Gefahr und Leid mit sich. Sie trifft in ihren Auswirkungen diejenigen besonders hart, deren Leben ohnehin schon durch Ungerechtigkeit geprägt war. Weil das so ist, kommt es jetzt darauf an, nicht so schnell wie möglich zur alten Normalität zurückzukehren. Denn vieles von dem, was uns als normal und selbstverständlich gegolten hat, ist darum nicht zugleich richtig und gut.

Pfingsten inmitten der Corona-Pandemie zu feiern, das heißt für mich, dem Wirken der Heiligen Geistkraft Raum zu geben, sich jetzt nicht einfach in den Strudel der vermeintlichen Normalisierung hineinziehen zu lassen, sondern auf  den Geist der Wahrheit zu lauschen. Nach dem Johannes-Evangelium verabschiedet sich Jesus von den Seinen mit der Zusage, dem Trost, dass er Gott um den Geist der Wahrheit bitten wird (Johannes 14,16f). Und die Wahrheit wird frei machen (Johannes 8,32).  Eine App, die uns Kontakte mit Infizierten meldet, ein Impfstoff gegen das Corona-Virus oder die weitere Beschleunigung unserer Kommunikation in der digitalen Welt werden uns nicht frei machen. Sie können nützlich sein und uns helfen, aber befreien werden sie uns nicht. Wirtschaftliche Hilfen für Menschen in Not sind absolut wichtig, aber wenn es nur darum geht, den Konsum wieder anzukurbeln, dann wird die Chance aus der Krise zu lernen verpasst.

Wenn ich in diesen Pfingsttagen in mich hineinhorche, dann höre ich ein Raunen, das mir sagt: Jetzt ist die Zeit, um Grundlegendes in unserem Zusammenleben zu verändern. Wir alle benötigen Fürsorge. Also muss Care-Arbeit gerecht verteilt, gestaltet und bezahlt werden. Wir alle wollen gut leben. Also muss sich unser Wirtschaften  am Gemeinwohl orientieren. Wir alle sind  Teil von Gottes wunderbarer Schöpfung. Also muss sich unser Umgang mit der Erde, mit Tieren und Pflanzen grundlegend ändern.  Die Corona-Krise zeigt uns wahrhaftig, wo wir stehen. Wir können jetzt unsere Chance erkennen und handeln.

[by Kiều Trường via Pixabay]

Dies sind meine Gedanken. Ich behaupte nicht, dass  der Geist der Wahrheit sie mir einflüstert. Das wäre vermessen. Pfingsten  zeigt mir aber deutlich: Gottes Geist kommt zu allen Menschen in ihrer großen Vielfalt und schenkt gegenseitiges Verstehen. Das macht Mut, jetzt  nicht schnell zur althergebrachten Tagesordnung überzugehen, sondern sich ernsthaft Zeit für die anstehenden Fragen zu nehmen und die Debatten mit allen zu führen. Verständigung und gemeinsames Handeln sind nicht nur möglich in der Corona-Krise, sondern Gottes Weg mit uns Menschen. Gottes Geistkraft nutzt auch den Sicherheitsabstand zwischen uns und öffnet jetzt unsere Augen und  Herzen für die Wahrheit. Mut wächst.

Die Musik aus dem Andacht-Stream: