Andacht am Pfingstsonntag

Sie weht, wo sie will.

Von Katja Hose, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Sie weht, wo sie will.“ – von Katja Hose
Katja Hose

Mut wächst! Das gilt ganz besonders für die Freund*innen von Jesus zu Pfingsten. Sie sitzen wartend an einem Ort zurückgezogen beieinander. Plötzlich trauen sie sich hinaus – mitten hinein in die Vielfalt der Menschen und erheben ihre Stimme. Gottes Heilige Geistkraft setzt diese Dynamik in Gang. Sprechen, zuhören, antworten, verstehen – alle gemeinsam über Sprachbarrieren hinweg – das ist für mich Pfingsten, das begeistert mich bis heute. Aber wird dieser Funke zünden in unseren Kirchen, in denen wir jetzt im weiten Abstand voneinander sitzen und hinter den Gesichtsmasken murmeln und mitsummen? Die Vorstellung, dass die Heilige Geistkraft uns Menschen wirklich pfingstlich ergreift, aus den Kirchenbänken zieht, Fremde miteinander in den Kontakt bringt und sich ansteckend untereinander fortpflanzt, wird wohl allen Verantwortungsträger*innen in diesen Tagen den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Findet die Geistkraft überhaupt zwischen den mit Sorgfalt ausgearbeiteten und diszipliniert umgesetzten Sitzordnungen Raum? Ich mache mir da keine Sorgen. Sie weht, wo sie will. Sicherheitsabstände sind für sie keine Hürde. Ihr frischer Wind vermag den Corona-Blues zu vertreiben. Und dabei muss kein Mensch unvorsichtig werden.

[by MW via Pixabay]

Was lässt mich auf diesen Geist des Lebens, den Gott pfingstlich ausgießt, vertrauen? Dingfest machen, in Besitz nehmen, für sich pachten lässt die Geistkraft sich nicht, aber dieses wunderbar lautmalerische hebräische Wort weist mir die Richtung:  Die „Ruach“ raunt bei jedem Atemzug durch meinen Körper. Dieses hebräische Wort kann „Atem“, „Wind“ oder auch „Geist“ bedeuten.  Wenn ich ganz bewusst tief Luft hole und dann wieder ausatme, komme ich zu mir selbst, finde meine Ruhe und spüre, wie ich unwillkürlich etwas tue, was zugleich mit mir geschieht. Gottes Geistkraft muss sich nicht unbedingt ekstatisch, laut und alles durcheinanderwirbelnd in unsere Welt mischen. Sie kennt auch ganz andere Wege. Mein stilles Atmen verbindet mich mit ihr und lässt mich lauschen. Ich strecke mein Ohr aus nach dem sanften Sausen, mit dem zum Beispiel Elia Gottes Nähe spürte, als er sich in die Felsspalte am Horeb zurückzog (1. Könige 19). Ein Mund-Nasenschutz, der sinnvollerweise bei Begegnungen zu tragen ist, hält die Tröpfchen mit den Viren auf. Meine Verbindung zu Gottes Lebenskraft lässt sich dadurch aber nicht stören. Mein Atem weist mir die Richtung, wie ich der Geistkraft nachspüren kann.

Im Pfingstgeschehen liegt aber noch mehr als die spirituelle Erfahrung, dass Gottes Kraft mich wie mein Atem durchströmen kann. Pfingsten zeigt, dass Gott nicht nur in einzelnen besonderen Persönlichkeiten wirkt, sondern die Heilige Geistkraft zu allen Menschen in ihrer großen weltweiten Vielfalt kommt und sie einander verstehen lässt. Das macht mir Hoffnung in diesen Tagen und lässt meinen Mut wachsen.

Die Corona-Pandemie bringt Gefahr und Leid mit sich. Sie trifft in ihren Auswirkungen diejenigen besonders hart, deren Leben ohnehin schon durch Ungerechtigkeit geprägt war. Weil das so ist, kommt es jetzt darauf an, nicht so schnell wie möglich zur alten Normalität zurückzukehren. Denn vieles von dem, was uns als normal und selbstverständlich gegolten hat, ist darum nicht zugleich richtig und gut.

Pfingsten inmitten der Corona-Pandemie zu feiern, das heißt für mich, dem Wirken der Heiligen Geistkraft Raum zu geben, sich jetzt nicht einfach in den Strudel der vermeintlichen Normalisierung hineinziehen zu lassen, sondern auf  den Geist der Wahrheit zu lauschen. Nach dem Johannes-Evangelium verabschiedet sich Jesus von den Seinen mit der Zusage, dem Trost, dass er Gott um den Geist der Wahrheit bitten wird (Johannes 14,16f). Und die Wahrheit wird frei machen (Johannes 8,32).  Eine App, die uns Kontakte mit Infizierten meldet, ein Impfstoff gegen das Corona-Virus oder die weitere Beschleunigung unserer Kommunikation in der digitalen Welt werden uns nicht frei machen. Sie können nützlich sein und uns helfen, aber befreien werden sie uns nicht. Wirtschaftliche Hilfen für Menschen in Not sind absolut wichtig, aber wenn es nur darum geht, den Konsum wieder anzukurbeln, dann wird die Chance aus der Krise zu lernen verpasst.

Wenn ich in diesen Pfingsttagen in mich hineinhorche, dann höre ich ein Raunen, das mir sagt: Jetzt ist die Zeit, um Grundlegendes in unserem Zusammenleben zu verändern. Wir alle benötigen Fürsorge. Also muss Care-Arbeit gerecht verteilt, gestaltet und bezahlt werden. Wir alle wollen gut leben. Also muss sich unser Wirtschaften  am Gemeinwohl orientieren. Wir alle sind  Teil von Gottes wunderbarer Schöpfung. Also muss sich unser Umgang mit der Erde, mit Tieren und Pflanzen grundlegend ändern.  Die Corona-Krise zeigt uns wahrhaftig, wo wir stehen. Wir können jetzt unsere Chance erkennen und handeln.

[by Kiều Trường via Pixabay]

Dies sind meine Gedanken. Ich behaupte nicht, dass  der Geist der Wahrheit sie mir einflüstert. Das wäre vermessen. Pfingsten  zeigt mir aber deutlich: Gottes Geist kommt zu allen Menschen in ihrer großen Vielfalt und schenkt gegenseitiges Verstehen. Das macht Mut, jetzt  nicht schnell zur althergebrachten Tagesordnung überzugehen, sondern sich ernsthaft Zeit für die anstehenden Fragen zu nehmen und die Debatten mit allen zu führen. Verständigung und gemeinsames Handeln sind nicht nur möglich in der Corona-Krise, sondern Gottes Weg mit uns Menschen. Gottes Geistkraft nutzt auch den Sicherheitsabstand zwischen uns und öffnet jetzt unsere Augen und  Herzen für die Wahrheit. Mut wächst.

Die Musik aus dem Andacht-Stream:

Andacht am Sonntag Rogate

Schweige und Höre

Von Silke Meyer, Frauenwerk Lübeck-Lauenburg


„Schweige und Höre“ – von Silke Meyer

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr

… das riet vor über 1000 Jahren Benedikt von Nursia. Und selbst heute, 1000 Jahre später ist es das, was uns besonders schwerfällt; selbst dann noch, wenn der Straßenlärm und die gewohnten Hintergrundgeräusche unseres Alltags in den vergangenen Wochen insgesamt leiser geworden sind. Und doch: Geräuschkulisse als schon süchtige Ablenkung?

Kennst Du diese Sehnsucht nach echtem Innehalten, Schweigen und Hören? Nach konzentriertem zuhören? Hören ist das erste, was wir als Mensch tun. Gerade auf die Welt gekommen, kennen wir die Stimme unserer Mutter längst – aus dem Bauch. Selbst wer im Sterben liegt, hört immer noch, was um ihn herum passiert – bis zum letzten Atemzug. Hören ist eine wesentliche Verbindung zur Welt.

Schweige und höre…

Unsere Ohren orientieren, warnen und behüten uns. Bei unangenehmen, unheimlichen Geräuschen, sträuben sich mir die Nackenhaare. Beim Hören von Mozarts Requiem läuft mir eine Gänsehaut über den Rücken. Das Ohr ist unser innigster Zugang zur Welt. Wie reagierst Du auf die QuaranTöne? Wenn ich genau hinhöre, aufmerksam zuhöre, werde ich selten getäuscht.

Was aber geschieht mit den Ohren, die das Zuhören wegen unaufhörlicher, medialer Berieselung, noch dazu oft über Kopfhörer, verlernt haben? Was wäre, wenn wir in diesen Tagen der Unterbrechung Momente der Stille zulassen? Mit dem Psalm-Wort, Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft (Psalm 62,2), für eine Weile, aus der durch Lärm entstandenen Taubheitskultur herauswachsen – und aufhorchen! Was von uns selbst würden wir erhören? Das, was mir geschenkt ist, meine Lebensaufgabe, Träume und Herzensanliegen?

Das wünsche ich uns in diesen Tagen! Die eine oder andere Gelegenheit auf Nebengeräusche zu verzichten und in einer plötzlich entstandenen Stille mir selbst und der Natur im Aufbruch zu lauschen.

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden. Amen.

[alle Fotos von Silke Meyer]

Psalm 62

Nur bei Gott wird mein Leben still.
Von ihm kommt meine Befreiung.
Nur Gott ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken – nicht sehr.
Wie lange wollt ihr eine Einzelne bestürmen?
Wollt ihr sie morden, ihr alle,
wie eine fallende Wand, eine stürzende Mauer?
Nur das ist ihr Plan: Sie von oben herabzustürzen.
Täuschung gefällt ihnen.
Mit dem Mund segnen sie, in ihrem Inneren fluchen sie.
Nur bei Gott werde still, mein Leben!
Ja, von ihm kommt meine Hoffnung.
Nur er ist mein Fels und meine Befreiung,
meine Burg. Ich werde nicht wanken.
Bei Gott liegt meine Freiheit und meine Würde,
Fels meiner Macht, meine Zuflucht bei Gott.
Vertraut auf ihn zu jeder Zeit, Leute!
Schüttet vor ihm euer Herz aus! Gott ist Zuflucht für uns. Sela
Nur Nebelhauch sind die Menschenwesen,
Täuschung sind Männer und Frauen.
In Waagschalen steigen sie auf, leichter als Nebelhauch.
Vertraut nicht auf Erpressung! Durch Raub lasst euch nicht vernebeln!
Wenn das Vermögen wächst, setzt das Herz nicht darauf.
Eins hat Gott gesagt, zwei sind es, die ich gehört habe:
dass Macht bei Gott ist,
und Freundlichkeit, Gebieter über uns, bei dir,
dass du allen gibst, wie es ihrem Handeln entspricht.

Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache (2006)

Video und musik zum andacht-Stream:

Silke Meyer

Wer bist du nun, meine Tochter?

Zehn Collagen zum Buch Rut

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Als Andacht an diesem Sonntag laden wir ein zu einem Rundgang durch die Ausstellung „Wer bist du nun, meine Tochter? | Zehn Collagen zum Buch Rut“. Eigentlich sollte diese Ausstellung ganz real mit Lesung, Gespräch und kleinem Empfang eröffnet werden, aber auch das musste Corona bedingt abgesagt werden – zumindest teilweise. Die Bilder des Graphikers Gerhard Schneider sind nämlich dennoch zu sehen – derzeit in der Winterkirche von St. Nikolai, Greifswald und … hier! Und den Audioguide gibt es auch dazu. 🙂 Viel Freude also beim Betrachten der Bilder, beim Hören der biblischen Erzählung und beim Wiederentdecken der Rut!


Wer bist du nun, meine Tochter? (Nacherzählung von Franziska Pätzold)

Nach Moab …

und zurück.

Wo auch immer du hingehst …

… auf die Felder des Boas.

… als wäre sie eine von ihnen.

Bade, salbe dich …

… wer bist du nun, meine Tochter?

Wenn du lösen willst …

Rut und Boas

Noomi und Obed

Andacht am Sonntag Jubilate

Mut wächst – Klimabewusstsein erden

AG Klima, Frauenarbeit in der Nordkirche


An diesem Sonntag hat die Andacht unmittelbar mit dem Projekt „Mut wächst – Klimabewusstsein erden“ der Frauenarbeit in der Nordkirche zu tun. Das Projekt wurde bereits auf der Frauendelegiertenkonferenz zu Beginn diesen Jahres vorgestellt und ist nun in vollem Gange [weitere Infos dazu gibt es hier: Mut wächst – Klimabewusstsein erden]. Mit dieser Andacht haben wir uns damals auch spirituell auf das Thema eingestimmt: Säen, Pflanzen, Leben und Vielfalt bewahren, Verbundenheit spüren mit der Erde, mit Gott, miteinander – dazu laden wir ein.

[Philip Pena via Pixabay]

Unten gibt es den Text und den Ablauf der Andacht als Download zum Nachlesen und Ausprobieren – im Frauenkreis, in der Gemeinde, unter Freund*innen und Nachbar*innen, in Kooperation mit anderen Initiativen und Projekten – überall dort, wo es ein bisschen Platz und engagierte Menschen gibt. Und im Stream kann frau/ man gleich hier nachhören, wie es klingen könnte. [Ein bisschen Vorstellungskraft zum gedanklichen Nachvollziehen des Pflanzrituals ist dazu sicher hilfreich… :-)]

Viel Freude beim Hören, Ausprobieren, Säen und Pflanzen!

Die Andacht zum Nachhören:

Mut wächst – Klimabewusstsein erden von der AG Klima
der Frauenarbeit in der Nordkirche

Die TExte zum Download:

Die Musik aus dem Andacht-Stream:

Andacht am Sonntag Misericordias Domini

Wie Mut wächst

von Julia Jünemann, Frauenarbeit im Kirchenkreis Plön-Segeberg


„Wie Mut wächst“ – von Julia Jünemann

Mut wächst – diese beiden Worte hat die Frauenarbeit in der Nordkirche als Leitthema für die Jahre 2020/2021 gewählt. Seit vier Monaten begleiten sie mich in meiner Arbeit. Ich habe das Jahresthema angekündigt und dafür geworben. Ich habe mit den Worten gespielt und sie in mancherlei Beziehung gesetzt.

Julia Jünemann

Mut wächst – da gibt es doch nicht viel zu erklären, oder? Als ich für eine Sitzung im Januar eine Andacht vorzubereiten hatte, warf ich einen Blick in das Herkunftswörterbuch und wurde überrascht. Mut kommt aus dem Germanischen und steht ursprünglich für nach etwas trachten, heftig verlangen, erregt sein. Das gemeingermanische Wort bezeichnete die triebhaften Gemütsäußerungen und seelischen Erregungs-zustände und wurde häufig im Sinne von Zorn verwendet. In späteren Zeiten stand es für den Sinn und die wechselnden Gemütszustände der Menschen. Das englische mood erinnert daran: I’m in a good mood, I’m in a bad mood. Die uns vertraute Bedeutung von Tapferkeit, Kühnheit setzte sich laut Herkunftswörterbuch erst seit dem 16. Jahrhundert stärker durch.

So also ist die Bedeutung des Wortes, das wir auf unsere Plakate und Postkarten zum Jahresthema gedruckt haben, gewachsen. Seine Wurzel waren tiefste Emotionen. Mut ist nichts, was von außen auf uns zu kommt, sodass wir es einfach annehmen könnten. Mut entsteht tief in uns selbst. Mut braucht innere Bewegung. Mut braucht einen Antrieb, ein Ziel, auf das er sich richten kann und mit dem wir innerlich verbunden sind. Dann kann Mut wachsen.

Ein Blick in die Bibel: Dort gibt es viele mutige Menschen, aber das Wort Mut kommt nur fünf Mal vor. Im zweiten Korintherbrief lesen wir: „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi, denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2 Kor 12,10) Darin beschreibt Paulus guten Mutes als eine Haltung in schweren Zeiten: Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich habe Hoffnung. Dabei gestehe ich mir zu, dass ich auch Angst haben und zweifeln darf. Aber ich weiß, wofür ich stehe und was mich hält. Woher nehmen Menschen diese Haltung?

Corrie ten Boom,
1921 in Haarlem
[via wikimedia commons]

In der vergangenen Woche wurde an dieser Stelle vom 75. Befreiungstag des Konzentrationslagers Ravensbrück berichtet. In Ravensbrück war auch die Widerstandskämpferin Corrie ten Boom inhaftiert. Sie erzählt in ihrem Buch Die Zuflucht wie sie als Kind ihren Vater fragte, ob sie wohl den Mut haben würde, wie die Menschen in der Bibel für ihren Glauben zu leiden. Ihr Vater fragte sie: „Wann gebe ich dir die Fahrkarte, wenn wir zusammen mit dem Zug nach Amsterdam fahren?“ Sie antwortete: „Kurz bevor wir einsteigen.“ Und genauso, erklärte ihr Vater, würde Gott ihr immer zum rechten Zeitpunkt die Fahrkarten für die Lebensreisen geben, auf die Gott sie führen würde. Als die Besetzung ihres Landes durch das NS-Regime in ihr bislang beschauliches Leben einbrach, erlebte Corrie ten Boom, dass das Versprechen ihres Vaters sich erfüllte. Sie hatte den Mut und die Kraft, verfolgten Jüdinnen und Juden beizustehen und sie verlor ihren Glauben auch dann nicht als sie verhaftet wurde und geliebte Menschen ums Leben kamen. Ebenso wie Paulus und die verfolgten Menschen im frühen Christentum erfuhr sie, dass Mut wächst, wenn es ein trotzdem und ein weil gibt: Trotz aller Angst und Schwachheit blieben sie standhaft, weil sie die tiefe Gewissheit hatten, dass sie mit Gott auf der richtigen Seite standen.

Als ich mich im Januar mit dem Wort Mut beschäftigte, ahnte ich noch nicht wie viel davon wir alle bald brauchen würden. Von jetzt auf gleich mussten wir lernen, ohne so vieles auszukommen, was unserem Leben bis dahin Struktur, Sicherheit und Erfüllung gegeben hatte. Niemand konnte darauf vorbereitet sein. Niemand hatte seine Fahrkarte für diese Reise lange vorab gebucht. Aber wie viele Menschen haben sich mit den passenden Fahrkarten auf den Weg gemacht! Sie entdecken im erzwungenen Rückzug den Wert der kleinen Dinge. Sie finden neue Wege, um miteinander in Verbindung zu bleiben. Sie kümmern sich um bedürftige Mitmenschen und schicken digitale Ermutigungen in die Welt.

[by Pexels via Pixabay]

Es bleibt die Angst vor der tückischen Krankheit, vor dem Verlust von Arbeitsplätzen, vor weiteren Tagen in Einsamkeit. Es wird auch nicht für alle leicht sein, mit den langsam beginnenden Auflockerungen umzugehen in dem Wissen, dass das Virus noch lange nicht besiegt ist. Und wir können überhaupt nicht absehen, wie unsere Welt sich noch verändern wird. Ich wünsche uns, dass wir täglich neuen Mut in uns entdecken können. Die Wurzel, aus der er wachsen kann, ist seit ewigen Zeiten dieselbe: Die Liebe Gottes, die sich nicht erklären, aber erfahren lässt.

Worte des Gedenkens

Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche


Hier der Text zum Nachhören:

„Worte des Gedenkens“ – von Franziska Pätzold

Das Interreligiöse Gedenken in Ravensbrück

„Uns alle eint das Wissen, dass wir nicht voraussetzungslos leben, sondern bestimmt sind durch unsere Geschichte. Was hier in Ravensbrück und an all den anderen Leidensorten während der Nazizeit geschehen ist, rührt uns menschlich an. […] Uns verbindet das Wissen, dass wir diese Trauer aushalten müssen – weil das das Mindeste ist, was wir den hier gequälten und getöteten Menschen schuldig sind. Und auch weil das Wissen um Ravensbrück […] wichtig ist, um unsere Gegenwart besser zu verstehen und zu gestalten.“

Mit diesen, inzwischen programmatisch gewordenen Worten eröffneten Iman Andrea Reimann, Vorsitzende des Deutschen Muslimischen Zentrums in Berlin, und Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg im Jahr 2018 das Interreligiöse Gedenken in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Franziska Pätzold

Auch in diesem Jahr hätte morgen, am 19. April, im Rahmen des Gedenkwochenendes zum 75. Befreiungstag des Konzentrationslagers ein Interreligiöses Gedenken stattfinden sollen, geplant und vorbereitet durch die Zukunftswerkstatt Interreligiöses Gedenken Ravensbrück. Auch diese Veranstaltung wurde Corona-bedingt abgesagt. Gedenken wollen und werden wir dennoch an diesem Tag – das stand für alle Beteiligten schnell fest. Aber wie? Ein weiterer Livestream? Eine weitere Videokonferenz?

Das Gedenken 2020

Inzwischen haben viele in unserer Runde Erfahrungen mit diesen Formaten des virtuellen Zusammenseins gemacht und – bei allem Positiven und allen Möglichkeiten – erscheinen sie uns doch nicht als passende Form für das Gedenken. Die echte Begegnung, die direkte Kommunikation vor, nach und während des Gedenkens, sowie der intensive Austausch zwischen allen Beteiligten in der vorbereitenden Zukunftswerkstatt, machen das Eigentliche, das Besondere, das Lebendige des Interreligiösen Gedenkens aus. Dr. Thomas Würtz, Mitwirkender in der Zukunftswerkstatt und Referent für den christlich-muslimischen Dialog an der Katholischen Akademie in Berlin, brachte unsere Überlegungen schließlich so auf den Punkt:

„Insofern finde ich ein nicht abgehaltenes Gedenken als analoge Leerstelle wichtiger als die digitale Teilkompensation. Die Leerstelle macht deutlich, was fehlt und zeigt uns, wohin wir zurück wollen: In die Freuden der realen Begegnung auch bei schwierigen Anlässen, wie in unserem Fall.“

Keine digitale Teilkompensation also, sondern eine analoge Leerstelle – aber verbunden mit einem kleinen, digitalen Zeichen. Dazu sammelten wir Worte, die uns als Mitwirkenden in der Zukunftswerkstatt für das Interreligiöse Gedenken, sowie für Gedenken überhaupt wichtig geworden sind.

Worte des Gedenkens

Worte des Gedenkens, Zukunftswerkstatt Interreligiöses Gedenken Ravensbrück

Gedenken – Wir – Aufmerksamkeit – Verantwortung – Gerechtigkeit – Menschlichkeit – Frieden – Morgen – Gestern – Heute – Veränderung – Vielfalt – Leben – Erinnern – Befreiung – Gestalten – Erneuerung – Freundschaft – Solidarität – Demut – Liebe – Begegnen – Mitleiden – Teilen – Suchen – Finden – Traditionen – Gott – Gebet – Kreativität – Geist

Diese Worte, die uns bewegen, die uns wichtig sind und Antrieb, ordnet das Computerprogramm zufällig in eine Form. Wobei – die Anordnung ist zufällig, die Form jedoch nicht. Die Socken sind Teil dessen, was in diesem Jahr im Mittelpunkt des Interreligiösen Gedenkens hätte stehen sollen. Sie sind zum Sinnbild unserer Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitsbedingungen in Zwangsarbeit von KZ-Inhaftierten geworden – konkret am Beispiel des KZ Ravensbrück und seiner Außenlager.

Erinnerungsstücke

„Mit fünf „Stricknadeln“ aus Draht lernte Batsheva Dagan stricken, die diese Socken 1945 im Ravensbrücker Außenlager Malchow anfertigte. Sie trug sie bis zur Befreiung. Anfang 1945 war Batsheva Dagan aus Auschwitz-Birkenau in das KZ Ravensbrück deportiert und kurz darauf in das Außenlager gebracht worden. Dort überzeugte sie gemeinsam mit sieben Freundinnen die SS von der Notwendigkeit eines „Bastel-Kommandos“. Die Frauen haben aus Lumpen Zöpfe geflochten und zu Fußmatten zusammengenäht. Auf diese Weise erhielten sie eine Extraportion Suppe. 2007 stiftete Batsheva Dagan die Socken der Gedenkstätte.“

Dr. Sabine Arend, Mitwirkende in der Zukunftswerkstatt und Leiterin der Museologischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Dieser kurze Einblick in die Geschichte von Batsheva Dagan berührt mich auf ganz unmittelbare Weise. Es ist noch etwas da aus dieser grausamen Zeit. Etwas, das dem Leben diente: ein paar Socken. Entstanden unter widrigen Bedingungen wurden sie ein Symbol des Überwindens und Überlebens. In gleicher Weise sind sie aber auch ein Symbol für die Ausbeutung so vieler KZ-Gefangener überall in den Lagern und Fabriken des NS-Regimes – die unzähligen Socken, die Frauen in Zwangsarbeit für die Wehrmachtssoldaten strickten.

„Sockenschuss“

Von der Zwangsarbeit erzählen auch die wenigen Überreste des ehemaligen Ravensbrücker Außenlagers Grüneberg, wo sich eine Munitionsfabrik befand. Im Projekt Grüneberg ERINNERT engagieren sich junge Erwachsene, um diese Geschichte des Ortes wieder freizulegen und zurück ins Gedächtnis zu rufen. Gemeinsam mit Jugendlichen aus dem Kirchenkreis Oberes Havelland wollten sie für das diesjährige Interreligiöse Gedenken eine Performance entwickeln, die beispielhaft Bezug nimmt auf eben diese, in Zwangsarbeit hergestellten Werkstücke: Munition und Socken. Der Titel des Gedenkens lautete, beides verbindend, Sockenschuss. Aus den Fäden aufgeräufelter Socken sollten Netzwerke gespannt werden zwischen den Gedenkenden als Zeichen der Verbundenheit in aller Verschiedenheit. Diese Ideen werden wir nun mitnehmen für die Vorbereitung des Gedenkens im nächsten Jahr.


Informationen zur Zukunftswerkstatt:

In der Zukunftswerkstatt Interreligiöses Gedenken Ravensbrück treffen sich drei- bis viermal im Jahr muslimische, jüdische und christliche Frauen und Männer. Neben der Entwicklung von Gedenkformen, die für Menschen aller Weltanschauungen anschlussfähig sind, rückt die Frage danach wie heute Gedenken gestaltet werden kann immer stärker in den Mittelpunkt. Mit der Beteiligung junger Menschen – Schüler*innen, Jugendliche und junge Erwachsene verschiedener Projekte und Initiativen – spannen wir den Bogen von den inhaftierten, ausgebeuteten, gequälten und ermordeten Frauen und Männern der Vergangenheit zu einer Generation junger Menschen und damit hinein in eine Gegenwart, in der nur noch wenige Zeitzeug*innen leben und die mit ihren Themen und politischen Entwicklungen Einfluss hat auf die Art und Weise unseres Gedenkens. Dies gelingt gerade dadurch, dass die Werkstatt eine Werkstatt im wahrsten Sinne ist und bleibt. Immer neue Interessierte engagieren sich, allein oder mit ihrem Projekt. Einige bleiben der Zukunftswerkstatt länger verbunden. Alle werden gehört und ihre Ideen werden aufgenommen. Tragender Grund ist eine Atmosphäre des Miteinander- und Voneinander-lernen-wollens und das Vertrauen, dass daraus etwas Gutes wird.

INFOrmationen zum KonzentrationsLager Ravensbrück:

Ansicht vom Barackenlager mit Barackenreihe 2 und 3 des Frauen-KZ Ravensbrück, um 1940.
Dieses Foto wurde vom Turm der Kommandantur aufgenommen mit Blick auf Teile des zuerst gebauten Lagers (l.) und der Erweiterung (r.). Letzteres war zunächst durch eine Mauer abgetrennt. Am vorderen Abschnitt der Mauer erstreckt sich der Zellenbau, das Lagergefängnis.
Im Vordergrund rechts ist das Wirtschaftsgebäude mit seinen Schornsteinen der Häftlingsküche zu sehen. Rechts im Bild ist die Lagerstraße 1  zu erkennen.
[Fotograf/in unbekannt, Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Foto-Nr. 1643]

Von 1939 bis 1945 war Ravensbrück das zentrale Frauen-Konzentrationslager des NS-Regimes. Mehr als 120.000 Frauen und Kinder aus über 30 Ländern sowie 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche wurden dorthin verschleppt. Zu dem Lagerkomplex gehörten, neben dem Frauenlager, ein kleineres für Männer, zahlreiche Außenlager, das Siemenslager und das „Jugendschutzlager“ Uckermark. Mindestens 28.000 Häftlinge wurden hier durch die Haftbedingungen umgebracht. Am 30. April 1945 wurde das Konzentrationslager befreit. Die Mahn- und Gedenkstätte lädt jedes Jahr zu einem Gedenkwochenende mit zahlreichen, auch internationalen Veranstaltungen ein.

Informationen zum GEdenken 2020:

Das rbb-Fernsehen überträgt am 19. April 2020 um 10.15 Uhr live aus der katholischen Gedenkkirche Maria Regina Martyrum einen Gedenkgottesdienst, der an diesem Tag eigentlich in Sachsenhausen hätte stattfinden sollen. Darin wird auch auf die ausfallenden Gedenkveranstaltungen in Ravensbrück Bezug genommen.

Hier geht es zum Livestream: rbb-Fernsehen

Und hier geht es zur Internetseite der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: ravensbrueck-sbg.de

Andacht am Ostersonntag

Wohin mein Herz mich zieht

Von Monika Schmudde, Frauenwerk Dithmarschen


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Wohin mein Herz mich zieht“ – von Monika Schmudde
Monika Schmudde

Vor drei Jahren kam mein kleiner Enkel Paul acht Wochen zu früh auf die Welt. Mit 1.260g war er winzig klein und in den ersten sieben Wochen gesundheitlich noch sehr gefährdet. Pauls Eltern waren jede freie Minute bei ihm in der Klinik. Mal wechselten sie sich ab. Mal waren sie zusammen da. So oft es ging lag Paul auf dem Bauch der Eltern. Hautkontakt. Geborgenheit. Den Herzschlag spüren. Ihr Herz zog sie hin zu ihrem neugeborenen Baby. Eine verletzliche Situation. In der Schwebe. Ungewissheit. Hoffnung.
Eine verletzliche Situation erlebt auch Maria von Magdala. Hier scheint nichts mehr in der Schwebe. Der Tod ist gewiss. Die Hoffnung erloschen. Doch ihr Herz zieht sie hin zum Grab.

Ein Felsengrab mit einem großen Stein davor. Dort wurde Jesus nach einem grausamen Tod am Kreuz begraben. Jesus. Ihr Herz zieht sich vor Schmerz zusammen. Vor zwei Tagen stand sie unter dem Kreuz und konnte es kaum ertragen. Maria, eine Jüngerin Jesu, die sich sicher und geliebt bei Jesus gefühlt hat, die nun spürt, wie sehr Jesus ihr fehlt. Jesus war ihr Rabbi, ihr Lehrer, und sie eine der Schülerinnen und Schüler. Der Stein ist zur Seite gerollt. Sie weint ununterbrochen vor sich hin, während sie ihren Kopf in das Grab beugt. Dort, wo Jesus hätte liegen sollen, sitzen zwei Engel und fragen sie nach dem Grund ihrer Tränen. „Sie haben meinen Herrn weggenommen“, schluchzt sie. Tränenüberströmt wendet sie sich um. Da steht jemand. „Warum weinst du und wen suchst du?“, fragt diese Person. „Oh, das muss der Gärtner sein“, denkt Maria und bittet: „Entschuldigung, aber der Leichnam aus diesem Grab ist verschwunden. Wenn du ihn weggebracht hast, sage mir bitte, wo er ist!“ Blind vor Tränen schaut sie in die Richtung des Mannes.

Licht und Steine
[by Samantha Scott via Pixabay]

„Maria“, er spricht diesen Namen aus, wie nur er es getan hat, Jesus. Marias Herz setzt beinahe aus. Verblüfft. Erstaunt. Überrumpelt. Doch dann öffnen sich die tränennassen Augen weit und das Erkennen tanzt mit der Freude in ihrem Herzen. „Rabbuni“, ruft sie beglückt. Das ist Hebräisch und heißt „Lehrer.“ Sie möchte Jesus in die Arme fallen. Es ist wieder gut. Es ist wieder alles, wie es war. Jesus ist hier. „Oh“, sie weiß gar nicht wohin mit diesem wild hüpfenden Herzen in ihrer Brust. Ein weiteres „Oh“ stoppt ihre Gefühlsflut, bremst sie aus, lässt sie anhalten in ihrer Hinwendung zu Jesus. Innehalten und Zuhören. „Maria, es ist nicht wie vorher. Du kannst mich nicht festhalten. Ich bin noch nicht zu Gott, meinem Ursprung, aufgestiegen. Geh aber zu meinen Geschwistern und sage ihnen: „Ich steige auf zu meinem Gott und eurem Gott.“ Verblüfft, erstaunt. Kein Körperkontakt. Doch trotzdem: Da ist auf einmal Geborgenheit. Sie fühlt ihr Herz schlagen. Ihr Herz, das sie hingezogen hat und hinzieht zu Jesus. Verletzlichkeit und Tränen haben sich in Lächeln und Freude verwandelt. Der Tod hat sich in Leben, Ungewissheit in Gewissheit und Jesu Abschied in Hoffnung verwandelt. Er ist da. Lebendig. Ihre Beine und ihr Herz springen vor Freude auf dem Weg zu den Jüngerinnen und Jüngern Jesu, ihren Geschwistern im Glauben. Ihr Herz fühlt sich wunderbar getröstet, ermutigt, geliebt.

[Foto privat]

Vor drei Jahren kam mein kleiner Enkel Paul acht Wochen zu früh auf die Welt. Mit 1.260g war er winzig klein und in den ersten sieben Wochen gesundheitlich noch sehr gefährdet. Pauls Eltern waren jede freie Minute bei ihm in der Klinik. Ihr Herz zog sie hin zu ihrem neugeborenen Baby. Eine verletzliche Situation. In der Schwebe. Ungewissheit. Hoffnung. Die Liebe der Mutter und des Vaters haben dem kleinen Paul die Geborgenheit geschenkt und ihn mit Liebe umhüllt. Sein kleiner Körper wurde stärker und er hat sich wunderbar entwickelt. Viele Gebete haben den kleinen Paul auf seinem Weg begleitet. Heilsam in der Nähe Gottes. Gott ist liebende Mutter, liebender Vater für dich und für mich. Das ist die Osterbotschaft. Der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus steht für die lebendige Gegenwart dieser göttlichen Liebe. Gottes Herz verspürt ein starkes Ziehen zu seinen geliebten Menschen. In Gott hört die Lebendige zu, trägt in verletzlichen Situationen, leidet mit, schenkt Trost und heilsame Nähe, füllt das Herz mit Hoffnung. Das ist die Osterbotschaft. Maria ist losgelaufen und hat es ihren Geschwistern erzählt: „Jesus lebt. Gottes Liebe ist für alle da. Sein Herz zieht es zu dir hin.“

Andacht am Palmsonntag

Von Empörung und Verwundbarkeit

Von Susanne Sengstock, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Von Empörung und Verwundbarkeit“ – Andacht von Susanne Sengstock

Empörung!

Susanne Sengstock, Leiterin des Frauenwerks der Nordkirche

In einer Videokonferenz empörte sich zuletzt eine Kollegin: „Ich war vorhin einkaufen und im Laden waren ganz viel alte Menschen. Unglaublich! Gerade für diese Menschen nehmen wir derzeit doch all die Einschränkungen in Kauf, und dann gehen die einkaufen. Und dass, obwohl meine Kirchengemeinde einen richtig guten Einkaufsdienst organisiert hat.“

Auch ich kenne eine solche Frau. Meine mehrfachen Angebote für sie einzukaufen, lehnt sie ab. „Ach, ich bin ja eh früh wach und deshalb auch immer die erste morgens im Geschäft.“ Wenn ich dann meine Sorge ausdrücke, pädagogisch korrekt Ich-Botschaften an sie richte, hilft das auch nicht. „Du brauchst dich nicht zu sorgen. Ich bin jetzt 90, hatte ein schönes Leben und wenn ich sterbe, sterbe ich. Dann sind auch endlich meine Rückenschmerzen vorbei.“ Moralisch werden hilft bei ihr auch nicht weiter. „Du weißt schon, dass, wenn du ins Krankenhaus kommst, die Ärzte vielleicht entscheiden müssen, ob du oder eine andere Person an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden soll. Willst du denen das wirklich aufbürden?“ „Ich gehe doch nicht ins Krankenhaus“, wehrt sie dann ab. Ich werde konfrontativ: „Ja, willst du denn jämmerlich zu Hause an einer Lungenentzündung krepieren?“ Jetzt ist sie richtig empört: „Nein, natürlich möchte ich, wie die meisten Menschen auch, friedlich einschlafen. Aber du als Pastorin, du solltest doch wissen, dass Sterben halt auch grausam und mit unerträglichen Schmerzen verbunden sein kann. Hilft ja nichts. Wir alle müssen sterben und es ist gut, dass wir nicht wissen, wann und wie. Was ich möchte ist, dass endlich wieder das Schwimmbad aufmacht, damit ich ins warme Wasser kann. Mein Rücken ist so giftig.“ Empörung.

Im Haus der Armen

Empörung spielt auch im vorgeschlagenen Predigttext für den heutigen Sonntag eine Rolle. Im Markusevangelium im 14. Kapitel wird erzählt, dass eine Frau ins Haus des Aussätzigen Simon in Bethanien kommt, wo Jesus sich mit anderen aufhält. Sie zerbricht ein Gefäß mit teurem Öl und salbt damit Jesus den Kopf. Das empört einige der Anwesenden. Was für eine Verschwendung. Das teure Öl hätte besser verkauft und mit dem Erlös hätten arme Menschen unterstützt werden können. Jesus weist die Kritik zurück: „Bettelarme wird es immer geben. Diese Frau hat meinen Leib für mein Begräbnis gesalbt.“

I will stand with the most vulnerable by Lorie Shaull;
[via wikimedia commons]

In der Auslegungsgeschichte wurde die Szene oft so darstellt, dass hier Männer beim Essen waren, die Frau in diese Männerrunde eindringt und dabei entweder – feministisch ausgelegt – super mutig oder – androzentrisch ausgelegt – absolut liebevoll-hingebend ein Tabu bricht. Aber: Die Frau platzt nicht in ein Männergastmahl hinein, sondern kommt zu einer Gruppe von Bedürftigen. In Bethanien spielt die Szene: Beth ani heißt wörtlich übersetzt Haus der Armen. Kurz zuvor war Jesus schon einmal in Bethanien und verließ den Ort hungrig [Mk 11,12]. Das Haus des Aussätzigen Simons ist kein luxuriöses Anwesen, eher ein Armenhaus oder ein Haus mit Kranken – das liegt ja auch nahe beim Haus eines Aussätzigen. Hier, an diesem Ort, ist das Leben in Gefahr. Jesus und die anderen sitzen in dieser Szene also nicht am Tisch beim Essen, sondern liegen erschöpft am Boden. Das meint das verwendete griechische Wort katakeisthai. Hier sind Menschen zusammen, die Hunger haben, erschöpft sind. Die Empörung über die Verschwendung von teurem Öl ist damit besonders verständlich und die Frage nach Solidarität liegt auf der Hand. Welche Bedürfnisse haben Vorrang? Essen, das den Hunger stillt, oder heilsame Rituale? Kann das eine gegen das andere stehen?

Jesus ermutigt, sich um Arme und Bedürftige zu kümmern. „Ihr könnt Gutes tun“, sagt er, aber er hält ebenso daran fest, dass die Frau eine gute Tat getan hat und verheißt, dass sich überall Menschen an sie erinnern werden. Für mich eröffnet Jesus hier einen Raum für Diskussion über brennende Fragen, ohne jedoch endgültige Antworten zu geben. Fragen wie: Wie gehen wir um mit Armut, mit Hunger?  Wie halten wir es mit Solidarität und wo sind ihre Grenzen auch aufgrund von eigenen Bedürfnissen? Welche Rolle spielt Erinnerung für eine Gemeinschaft? Welche rituellen Formen für Trost und Zuversicht haben wir? Wie verstehen wir Leid und Sterben auch und gerade angesichts von Bedrohung und Endlichkeit? Sehr aktuelle Fragen.

Verwundbar sein – Mensch werden

Palmkätzchen in der Reifung by AnKobs;
[via wikimedia commons]

Tod und Sterben kommen uns jedes Jahr in der Passionszeit ganz nahe. An diesem Sonntag vielleicht noch näher. Diese Zeit macht bewusst, dass Menschen verletzlich, verwundbar, endlich sind.

Heike Springhart, diesjährige Referentin beim Norddeutschen Forum Feministische Theologie, meint, dass wir Menschen erst dadurch, dass wir verletzlich und verwundbar sind, zu liebes- und vertrauensfähigen Menschen werden und fähig werden zu Respekt, Verantwortung und Sensibilität. Dieses Menschenbild ist eigentlich durch und durch christlich und doch ist es mutig so zu reden, denn in unserer Kultur ist eher die Unverwundbarkeit das Maß aller Dinge. Was aber, wenn wir erst dann wirklich solidarisch werden können, wenn wir um unsere eigene Verletzlichkeit wissen und sie am eigenen Leib gespürt haben? Verwundbarkeit ist eine Grundbedingung unseres menschlichen Lebens. Krankheit und Sterben sind daher kein Scheitern, sondern Ausdruck von Menschlichkeit. Damit werden Krankheit, Sterben und Leiden nicht weniger schmerzlich. Menschen leiden mitunter fürchterlich, aber sie verlieren dadurch nicht das, was sie als Menschen ausmacht.

So sehe und verstehe ich auch die 90 jährige Frau. Ihre Empörung über meine Empörung hat mich ins Nachdenken gebracht. Sie redet das Sterben weder schön noch macht sie es mies. Sie sieht ihr Leben und auch das Sterben sehr realistisch. Sie weiß nicht, wie ihr Sterben wird, aber dass es kommt. Bald. Sie hegt die Hoffnung, dass ihre Schmerzen ein Ende haben. Und diese wunderbare Hoffnung auf Überwindung hilft ihr im Leben und vielleicht auch im Sterben.

Andacht am Sonntag Judika

„Schaffe mir Recht!“ – Die Krise als Chance für einen Perpektivwechsel?

von Irene Pabst und Waltraud Waidelich, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Schaffe mir Recht!“ – Andacht von Waltraud Waidelich und Irene Pabst [liest]

Liebe Leser*innen, wir grüßen Sie und Euch aus dem Frauenwerk der Nordkirche in Ihre/ Eure Wohnzimmer und Küchen, allein oder mit Familienangehörigen. Heute ist der fünfte Sonntag in der Passionszeit, Judika. Judika bedeutet: Schaffe mir Recht. Das lenkt unseren Blick auf die Zusammenhänge von Welthandel und Gerechtigkeit.

Unsere Selbstverständlichkeiten – aufgelöst in „Corona“

Als das vom Zentrum für Mission und Ökumene herausgegebene Materialheft für diesen Sonntag geplant wurde, hätte sich keine* aus der Planungsgruppe vorstellen können, dass am 29. März 2020 Kirchen geschlossen sein würden, die Wirtschaft still stehen, der Welthandel ausgebremst, Lieferketten unterbrochen und Grenzen geschlossen sein würden. Unsere Selbstverständlichkeiten, alles ist immer und zu jeder Zeit verfügbar da und wird von einem Heer der Fleißigen in Asien, Afrika, Lateinamerika zu Niedriglöhnen gefertigt, haben sich in „Corona“ aufgelöst. In den vom Kleidungsüberfluss prall gefüllten Mode-Stores der Innenstädte gibt es keine Atemschutzmasken, keine Schutzkleidung. Sie sind jetzt still und dunkel. Die sozialen und ökologischen Ungerechtigkeiten der globalen Lieferketten, die Emma Eder in ihrem Poetry Slam beschreibt, sind unterbrochen: „Hier ist schoppen für mich eine Therapie – dort löst sie ein Trauma aus. Hier klingt es wie eine schöne Melodie und dort halten sie’s vor Lärm kaum aus. Hier ist Tag und da ist Nacht, dort wird geweint, hier wird gelacht…“

Die Verletzlichkeit unserer Wirtschafts- und Lebensweise

Die unfreiwillige Unterbrechung des business as usual kann eine Chance für uns sein, unsere Aufmerksamkeit genau dahin zu lenken: Auf Machtstrukturen, die verhindern, dass faire und existenzsichernde Löhne gezahlt werden, weil globale Konzerne die niedrigeren sozialen und ökologischen Standards woanders nutzen. Die westlichen Konsument*innen sind Co-Profiteur*innen. Das Virus konfrontiert uns in brutaler Weise mit der Verletzlichkeit unserer Wirtschafts- und Lebensweise. Nicht nur die anderen, die Näherinnen in den Fabriken sind die Verliererinnen des globalen Spiels – ohne Aufträge der Modeindustrie bleiben sie ohne Arbeit. Dieses Mal trifft die Globalisierung auch uns – mit einem Virus und all den unabsehbaren Folgen für Arbeiter*innen, Betriebe und Selbstständige trotz der Rettungspakete, die uns schützen sollen.

Die Krise als Chance für einen Perspektivwechsel?

Es fühlt sich seltsam an, dass wir auf einmal selbst negativ von der Globalisierung betroffen sind und nicht immer nur die anderen. Der Spieß dreht sich plötzlich um – wir sind abhängig von Medikamenten aus Ländern, die wir ausgebeutet haben und ohne die dort produzierten Teile steht die Industrie hier still. Die Erfahrung von Verletzlichkeit betrifft nun auch uns selbst. Wird diese Erfahrung dazu führen, dass wir erkennen, was wirklich wichtig ist? Dass wir den Klimawandel endlich ernst nehmen und unser Wirtschafts- und Gesellschaftsystem so umbauen, dass die Ausbeutung von Erde und Menschen ein Ende hat? Dass wir gemeinschaftlicher leben und wirtschaften, im Einklang mit der Natur und den Anderen, wie es uns aufgetragen ist? Wir spüren jetzt vielleicht so stark wie nie, wie sehr wir miteinander in einem weltweiten Wirtschaftsnetz verbunden sind und dass es nicht auf Dauer funktionieren kann, dass es den Einen auf Kosten der Anderen gut geht. Das ist unsere Chance für einen Perspektivwechsel. Von diesem Perspektivwechsel sprechen Wissenschaftler wie Prof. Dr. Niko Paech. Wir müssen unsere Lebens- und Konsumgewohnheiten verändern, wenn wir unsere Lebensgrundlage für künftige Generationen erhalten und globale Gerechtigkeit erreichen wollen.

Isabella Gabriel Niang, Zeigender [Ausschnitt], Kohle auf Papier, 2006

Die Perspektive Gottes

Wichtig ist, dass nicht nur unsere individuelle Verantwortung beim Einkaufen, Reisen usw. gefragt ist, sondern dass auch Unternehmen, Kirchen, Institutionen in der Verantwortung sind, ebenso wie die Politik, die Regeln für fairen Handel schaffen kann, z.B. mit einem Lieferkettengesetz. Auf allen Ebenen agieren letztlich Individuen, die Veränderung bewirken können. Daran erinnert die Theologin Prof. Dr. Helga Kuhlmann. Diesen Perspektivwechsel finden wir auch in der Bibel. Der reiche Jüngling schafft es nicht, aus seinem alten Leben auszubrechen, obwohl er das von Herzen will. Seine Berufung in die Jesus-Bewegung, die eine gerechte Gesellschaft will, scheitert. Geht es uns nicht manchmal wie diesem Jüngling, weil wir in Lähmung und Ohnmacht zu fallen drohen angesichts der globalen Probleme? Doch Jesus sieht hier nicht das Ende der Geschichte. Er schafft einen Perspektivwechsel, indem er auf die Perspektive Gottes verweist. Es ist zwar leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt, aber es gilt auch, dass bei Gott alle Dinge möglich sind. „Gott macht Geschichte, indem er Menschen in Bewegung setzt“, sagt die Theologin Klara Butting, so wie eine handvoll Frauen und Männer, die damals Jesus nachfolgten. Die neue Zeit ist schon da, blitzt schon auf in dem, was jetzt ist. Auch wir können uns heute von der Vision von Gerechtigkeit für alle Menschen und für die Natur in Bewegung setzen lassen. Die Transformation beginnt mit uns und jetzt. Die Zeit nach „Corona“ muss nicht so werden wie die Zeit davor.

Hier gibt’s mehr zum Thema:

Die Website: sonntag-judika.de

Das vollständige Materialheft zum Judika-Sonntag: „Auf dem Weg – Gerechtigkeit und Welthandel“ [hg. vom Zentrum für Mission und Ökumene der Nordkirche]

Und den ganzen Gottesdienst zum Mitfeiern: YouTube-Channel der Nordkirche

Andacht am Sonntag Lätare

„Bleiben Sie gesund!“

Von Susanne Sengstock, Frauenwerk der Nordkirche


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Bleiben Sie gesund!“ – Andacht von Susanne Sengstock

„Bleiben Sie gesund!“ – „Bleiben Sie behütet!“

Susanne Sengstock, Leiterin des Frauenwerks der Nordkirche

„Bleiben Sie gesund“, so beenden derzeit etliche Moderator*innen ihre Sendungen, nachdem sie ausführlich über die immense Ausbreitung des Corona-Virus berichtet haben. Der Wunsch ist nett und gut gemeint, klingt aber auch sehr skurril in meinen Ohren. Im kirchlichen Raum werden Mails jetzt oft mit „Bleiben Sie behütet“ beendet. Hinter diesem Wunsch steht ein Gottesbild von einem gütigen Gott, der uns umfängt, behütet, uns in allen Situationen des Lebens beisteht. Kirchlich engagierte Menschen geben mit dieser und anderen Formeln ihrem Glauben Ausdruck und wollen damit anderen Menschen Mut zusprechen. Viele Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche erwarten in Zeiten wie diesen ja auch und vor allem von Kirche Zuspruch und tröstliche Worte. Ich merke, auch mir kommen solche Wünsche über die Lippen und gleichzeitig sträubt sich etwas in mir. Religiöse Formeln, Voten, Segensworte, geprägte und überlieferte Gebete gehören auch zu meiner Frömmigkeit, aber was, wenn ich nicht gesund bleibe, z. B. weil ich schon jetzt gar nicht gesund bin? Und: Passt das Behütetbleiben eigentlich zu meinem jetzigen Gottesbild, das ja immer wieder in Bewegung gerät?

Die Wirksamkeit der Gotteskraft

Ich liebe es, mich mit biblischen Texten und biblischen Wörtern auseinanderzusetzen. Ein solches Wort ist das griechische dynamis, das im Neuen Testament eine große Rolle spielt. Dynamis heißt so viel wie Kraft, Energie, göttliche Dynamik. In den Heilungsgeschichten der Evangelien beschreibt dynamis die Wirksamkeit der Gotteskraft. Es ist eine Gotteskraft, die bewegt und aufrichtet. Ein anderes wichtiges Wort in den Heilungsgeschichten ist sozein. Übersetzt heißt es gesund machen, aber auch heilen, retten, in die Gottesbeziehung hineinnehmen. In den meisten deutschen Bibelausgaben wird das Wort gesund machen genommen. Jesus macht Menschen auf Grund ihres Glaubens wieder gesund. Was aber ist mit Menschen damals und heute und morgen, die trotz Glauben und Vertrauen krank werden und nicht gesunden? Haben die zu wenig geglaubt, falsch gebetet, ist da nicht genügend Fürbitte von anderen gekommen?  Die Neutestamentlerin Ulrike Metternich warnt davor, sozein nur auf das individuelle körperliche Gesundwerden zu beziehen. Sozein meint vielmehr: Gottes Nähe, Gotteskraft in einer gottlosen Zeit zu spüren, eine Kraft, die etwas mit mir macht, darum geht es.

Ferdinand Hodler, Valentine Godé-Darel im Krankenbett

Biblische Geschichten sind Kollektiv-Texte

Die Heilungsgeschichten des Neuen Testaments sind in einer Krisenzeit aufgeschrieben worden. Ein Krieg war vorbei, ein großer Teil der jüdischen Bevölkerung tot, viele geflohen, in Kriegsgefangenschaft oder versklavt. Nicht nur Jesus starb am Kreuz, viele andere Menschen wurden mit dieser Hinrichtungsmethode ebenso umgebracht. Mit diesen Erfahrungen hörten, schrieben und lasen Menschen die Heilungsgeschichten und bezogen das, was geschah, auch auf sich und auf ihre Gemeinschaft. Biblische Geschichten sind für mich nie nur individualistisch zu lesen und zu verstehen. Sie sind Kollektiv-Texte, die theologische und politische Inhalte haben. Inmitten des Elends ist Gott erfahrbar, Gotteskraft erzählbar. Durch die Erzählungen werden immer mehr Menschen hineingenommen in die Gottesbeziehung, die Gemeinschaft als solche erfährt Gotteskraft, die aufrichtet. Das ist ein Reden und Denken von Gott, das mich heute anspricht. Da steckt Dynamik drin.

Ostern als Fest des dynamis-Geschehens

Wenn ich in diesen Tagen sehe, wie es knospt und zu blühen beginnt oder wenn ich erklärt bekomme, wie der menschliche Körper Antikörper entwickelt und dann Viren ausschalten kann, dann kann ich Gott nicht böse sein, dass die Welt gerade so ist, wie sie ist. Dann komme ich vielmehr ins Staunen. Ich glaube, dass Gott auf dieser Welt gemeinsam mit uns Menschen und dem mehr-als-Menschlichen unterwegs ist, und zwar sehr dynamisch. Wenn Menschen krank werden (und schlimmsten Falls auch nicht gesunden), dann liegt das nicht daran, dass sie zu wenig geglaubt, falsch gebetet oder zu wenig Fürbitte hatten. Ich glaube auch nicht an einen Gott, der/die mit Krankheit straft. Auch wenn Menschen über alle Zeiten hinweg sich so Leid erklärten und erklären und dies ebenfalls in biblischen Texte festgehalten haben. Doch für heute merke ich: Berichte von Menschen, die erzählen, dass und wie sie Gottes Nähe erfahren haben, berühren mich sehr und sprechen mich mehr an als tröstende Worte und gutgemeinte Wünsche. Deshalb möchte ich sensibel und aufmerksam bleiben für die Erfahrung, dass sich die Wirkkraft Gottes ausbreitet, wenn Menschen auf sie vertrauen, von ihr erzählen – ganz unabhängig davon ob sie gesund, krank, fromm, groß, klein oder sonst was sind – in diesen und auch in anderen Zeiten. Theologisch gesprochen ist das, was dabei geschieht, Auferstehung. Vielleicht wird Ostern, das Fest der Auferstehung, mir dieses Jahr als Fest des dynamis-Geschehens besonders in Erinnerung bleiben, nämlich dann, wenn die dynamis spürbar politisch und gemeinschaftlich heilsam wirken kann. Das wäre schön.