Aus dem Leben einer Tomatenpflanze

Neues von Paulinchen


„Keine ist so schön wie Paulinchen! Samtig-weich und zugleich ein wenig kitzlig fühlt es sich an, wenn ich sie berühre. Das Zusammenspiel der Farben, das dunkle Flaschengrün und mit dem zart leuchtenden Gelb, kleidet sie wunderbar. Ich schaue jeden Tag nach ihr. Seit genau sechs Monaten begleitet sie mein Leben.

Paulinchen ist meine Tomatenpflanze. Es ist die erste Tomatenpflanze, die ich nicht auf dem Wochenmarkt gekauft, sondern selber aus einem winzigen Samenkorn gezogen habe. Anfang Februar habe ich sie auf der Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche gepflanzt. Den Wunsch ein praktisches und niedrigschwelliges Projekt zum Klimaschutz ins Leben zu rufen, haben Frauen aus der ganzen Nordkirche bei der Abschlussandacht bekräftigt. Dabei hat jede einen winzigen Tomatensamen in ein kleines Töpfchen Erde gesteckt. Die Saat, die mir zufiel, hatte den Namen Paulinchen.

In meinem Auto zog das Töpfchen von Marne nach Kiel um und fand seinen Platz auf unserem Küchentisch. Ab und zu eine kleine Portion Wasser! Keine Zeit für mehr Zuwendung, das Einräumen der Wohnung war dringlicher.  Ein freudiger Schauer durchfuhr mich, als ich tatsächlich die allerersten winzigen Blättchen auf der braunen Erde entdeckte – kleiner als Stecknadelköpfe. Das soll eine Tomate werden? Na, wenn das man kein Unkräutlein ist, das da so schnell aus dem Nichts auftaucht. Weiter gießen, viel Geduld, dann mein großer Schrecken: die beiden Keimblätter verfärben sich gelb, werden welk, also doch mehr brauner Damen und zu viel Umzug! Das war‘s dann wohl! Auf dem Topf prangte der Aufkleber mit dem Jahresthema der Frauenarbeit – „Mut wächst!“. Paulinchen schien der Mut zum Wachsen verlassen zu haben. Meine Hoffnung sank in den Keller. Diese kleinen gelben Blättchen welkten viele Tage vor sich hin. Sollte ich mehr Wasser geben oder doch lieber weniger? Ich war ratlos und ließ – fast wie zur Beerdigung meines Projektes – etwas Kaffeesatz in das Töpfchen rieseln. Mein Mann trinkt bekanntlich „Lazaruskaffee“, also ein Gebräu, das Tote aufzuerwecken vermag.

Bei Paulinchen klappte es. Mitten in der tiefsten Verunsicherung des Corona-Lockdowns zeigte sie das erste zauberhafte Tomatenblättchen mit den typischen Einkerbungen und einem zarten Flaum auf tiefgrünem Grund. Ich war verzückt. Von da an wuchs mein Mut, mich trotz Corona in dieser Wohnung und dieser Stadt einleben zu können mit jedem Millimeter, den mein Tomatenpflänzchen zulegte. Es kamen kleine Rückschläge. Paulinchen forderte meine Geduld. Um Ostern herum zweifelte ich, ob ich jemals eine Tomate würde ernten können, so winzig war dieses Pflänzchen immer noch, aber darauf kam es mir gar nicht mehr an. Paulinchen war für mich längst mehr geworden als eine Nutzpflanze. Vor einem halben Jahr war es für mich total unvorstellbar, dass aus dem Samenkorn so ein Dschungel von grünen Blättern wachsen würde. Jetzt blüht Paulinchen leuchtend gelb auf unserem Balkon. Eigentlich sollten schon Tomaten zu sehen sein, die sich freundlich röten und ernten lassen. Ich weiß – ich hätte wohl noch mehr ausgeizen sollen. Egal – es geht hier nicht um die Größe meiner Ernte! Hier ist eine Beziehung in mein Leben getreten, die etwas mit Sorge und Verantwortung zu tun hat, nicht nur einseitig, sondern sogar gegenseitig. Diese Pflanze hat dafür gesorgt, dass mein Mut gewachsen ist und meine Hoffnung gestärkt wurde.“

Katja Hose [im August 2020]

Und reif ist Paulinchen doch geworden – trotz Umzug, Rückschlägen, zu wenig Sonne und braunem Daumen, trotz oder wegen „Lazarus-Kaffee“, mit viel Geduld, Liebe und Mut. Und, wenn ich das richtig behalten habe, dann macht die alten, samenfesten Sorten ja gerade so stark, dass sie gegen ungünstige äußere Einflüsse resistenter sind. 🙂 Die Saat fürs neue Jahr ist auch schon gewonnen. Herzlichen Glückwunsch, Katja! [FP]

Andacht am Sonntag Jubilate

Mut wächst – Klimabewusstsein erden

AG Klima, Frauenarbeit in der Nordkirche


An diesem Sonntag hat die Andacht unmittelbar mit dem Projekt „Mut wächst – Klimabewusstsein erden“ der Frauenarbeit in der Nordkirche zu tun. Das Projekt wurde bereits auf der Frauendelegiertenkonferenz zu Beginn diesen Jahres vorgestellt und ist nun in vollem Gange [weitere Infos dazu gibt es hier: Mut wächst – Klimabewusstsein erden]. Mit dieser Andacht haben wir uns damals auch spirituell auf das Thema eingestimmt: Säen, Pflanzen, Leben und Vielfalt bewahren, Verbundenheit spüren mit der Erde, mit Gott, miteinander – dazu laden wir ein.

[Philip Pena via Pixabay]

Unten gibt es den Text und den Ablauf der Andacht als Download zum Nachlesen und Ausprobieren – im Frauenkreis, in der Gemeinde, unter Freund*innen und Nachbar*innen, in Kooperation mit anderen Initiativen und Projekten – überall dort, wo es ein bisschen Platz und engagierte Menschen gibt. Und im Stream kann frau/ man gleich hier nachhören, wie es klingen könnte. [Ein bisschen Vorstellungskraft zum gedanklichen Nachvollziehen des Pflanzrituals ist dazu sicher hilfreich… :-)]

Viel Freude beim Hören, Ausprobieren, Säen und Pflanzen!

Die Andacht zum Nachhören:

Mut wächst – Klimabewusstsein erden von der AG Klima
der Frauenarbeit in der Nordkirche

Die TExte zum Download:

Die Musik aus dem Andacht-Stream:

Das neue Jahresthema ist da!

Mut wächst

Von Franziska Pätzold, Frauenwerk der Nordkirche

Material zum Jahresthema

Auf der Frauendelegiertenkonferenz am 01. Februar in Ratzeburg wird es vorgestellt – das neue Jahresthema der Frauenarbeit in der Nordkirche 2020/ 2021.

Und ab sofort gibt es auch hier auf dem Blog wieder Neuigkeiten, Geschichten, Impulse und Materialien rund um „Mut wächst„.

Abonniert doch gerne den Newsletter, um keinen Beitrag mehr zu verpassen und auch die druckfrischen Materialien (Plakate, Postkarten, Klappkarten, Sticker) zum Jahresthema könnt ihr ab sofort bestellen. Infos zu beidem in der Seitenleiste rechts.

Großmut – Sanftmut – Übermut

Andacht mit Sprechmotette zum Jahresthema

von der AG Jahresthema, Frauenwerk der Nordkirche


MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT

Großmut – Langmut – Sanftmut – Hochmut

Schwermut – Anmut – Unmut

Wehmut – Missmut

Wagemut – Freimut – Wankelmut – Übermut

Kampfesmut – Mutprobe

frohgemut – mutlos – mutig

entmutigen – zumuten – ermutigen

MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT – MUT WÄCHST!


Mit der Frauendelegiertenkonferenz der Nordkirche am 31. Januar und 01. Februar 2020 in Ratzeburg startet auch das neue Jahresthema. Dazu entstand eine Andacht mit einer Sprechmotette rund um den MUT.

Den ganzen Text und den Ablauf der Andacht findet ihr unten im Download. Viel Mut zum/ beim Ausprobieren!