Leporello November

von Hella Fabritius

Frauenarbeit Lübeck/Lauenburg

November 1989 – fast alle, die über 50 Jahre alt sind, wissen ziemlich genau, wo sie am Wochenende vom 9. bis 12. November waren. Was sie getan haben, als sie die Nachricht von der Grenzöffnung erreichte. Wir hier in Lübeck–Schlutup haben es noch in lebendiger Erinnerung: So voller Menschen war unser Ort sonst nie, blauer Trabiduft überall, Massen am Postamt, um das „Begrüßungsgeld“ zu bekommen, Gedrängel in den Geschäften, auch am Sonntag. Große Freude vor allem bei den Älteren, die nicht mehr zu hoffen gewagt hatten, dass sie einfach so nach Mecklenburg
fahren können. Unglaublich die Stimmung bei allen, die ankamen und bei denen, die sie herzlich begrüßten, mit Gesang und Geschenken. Und überall das Wort „Wahnsinn“ – noch heute ist mir diese Freude, das fassungslose Staunen in lebhafter Erinnerung. Es ist auch nach so vielen Jahren noch immer nicht ganz selbstverständlich, gen Osten zu fahren.

Und trotzdem, es war nicht alles gut. Zu viele, die ohne Skrupel ihren ganz persönlichen eigenen Vorteil suchten und die auf eine solche Situation nicht vorbereitete Politik – das enttäuschte.

Dennoch war sehr gut, was geschehen ist. Das wünsche ich mir für mein eigenes Leben und mein Handeln:

MORGEN SAGEN ZU KÖNNEN, DASS ES GUT WAR.