Andacht am Ostersonntag

Wohin mein Herz mich zieht

Von Monika Schmudde, Frauenwerk Dithmarschen


Hier die Andacht zum Nachhören:

„Wohin mein Herz mich zieht“ – von Monika Schmudde
Monika Schmudde

Vor drei Jahren kam mein kleiner Enkel Paul acht Wochen zu früh auf die Welt. Mit 1.260g war er winzig klein und in den ersten sieben Wochen gesundheitlich noch sehr gefährdet. Pauls Eltern waren jede freie Minute bei ihm in der Klinik. Mal wechselten sie sich ab. Mal waren sie zusammen da. So oft es ging lag Paul auf dem Bauch der Eltern. Hautkontakt. Geborgenheit. Den Herzschlag spüren. Ihr Herz zog sie hin zu ihrem neugeborenen Baby. Eine verletzliche Situation. In der Schwebe. Ungewissheit. Hoffnung.
Eine verletzliche Situation erlebt auch Maria von Magdala. Hier scheint nichts mehr in der Schwebe. Der Tod ist gewiss. Die Hoffnung erloschen. Doch ihr Herz zieht sie hin zum Grab.

Ein Felsengrab mit einem großen Stein davor. Dort wurde Jesus nach einem grausamen Tod am Kreuz begraben. Jesus. Ihr Herz zieht sich vor Schmerz zusammen. Vor zwei Tagen stand sie unter dem Kreuz und konnte es kaum ertragen. Maria, eine Jüngerin Jesu, die sich sicher und geliebt bei Jesus gefühlt hat, die nun spürt, wie sehr Jesus ihr fehlt. Jesus war ihr Rabbi, ihr Lehrer, und sie eine der Schülerinnen und Schüler. Der Stein ist zur Seite gerollt. Sie weint ununterbrochen vor sich hin, während sie ihren Kopf in das Grab beugt. Dort, wo Jesus hätte liegen sollen, sitzen zwei Engel und fragen sie nach dem Grund ihrer Tränen. „Sie haben meinen Herrn weggenommen“, schluchzt sie. Tränenüberströmt wendet sie sich um. Da steht jemand. „Warum weinst du und wen suchst du?“, fragt diese Person. „Oh, das muss der Gärtner sein“, denkt Maria und bittet: „Entschuldigung, aber der Leichnam aus diesem Grab ist verschwunden. Wenn du ihn weggebracht hast, sage mir bitte, wo er ist!“ Blind vor Tränen schaut sie in die Richtung des Mannes.

Licht und Steine
[by Samantha Scott via Pixabay]

„Maria“, er spricht diesen Namen aus, wie nur er es getan hat, Jesus. Marias Herz setzt beinahe aus. Verblüfft. Erstaunt. Überrumpelt. Doch dann öffnen sich die tränennassen Augen weit und das Erkennen tanzt mit der Freude in ihrem Herzen. „Rabbuni“, ruft sie beglückt. Das ist Hebräisch und heißt „Lehrer.“ Sie möchte Jesus in die Arme fallen. Es ist wieder gut. Es ist wieder alles, wie es war. Jesus ist hier. „Oh“, sie weiß gar nicht wohin mit diesem wild hüpfenden Herzen in ihrer Brust. Ein weiteres „Oh“ stoppt ihre Gefühlsflut, bremst sie aus, lässt sie anhalten in ihrer Hinwendung zu Jesus. Innehalten und Zuhören. „Maria, es ist nicht wie vorher. Du kannst mich nicht festhalten. Ich bin noch nicht zu Gott, meinem Ursprung, aufgestiegen. Geh aber zu meinen Geschwistern und sage ihnen: „Ich steige auf zu meinem Gott und eurem Gott.“ Verblüfft, erstaunt. Kein Körperkontakt. Doch trotzdem: Da ist auf einmal Geborgenheit. Sie fühlt ihr Herz schlagen. Ihr Herz, das sie hingezogen hat und hinzieht zu Jesus. Verletzlichkeit und Tränen haben sich in Lächeln und Freude verwandelt. Der Tod hat sich in Leben, Ungewissheit in Gewissheit und Jesu Abschied in Hoffnung verwandelt. Er ist da. Lebendig. Ihre Beine und ihr Herz springen vor Freude auf dem Weg zu den Jüngerinnen und Jüngern Jesu, ihren Geschwistern im Glauben. Ihr Herz fühlt sich wunderbar getröstet, ermutigt, geliebt.

[Foto privat]

Vor drei Jahren kam mein kleiner Enkel Paul acht Wochen zu früh auf die Welt. Mit 1.260g war er winzig klein und in den ersten sieben Wochen gesundheitlich noch sehr gefährdet. Pauls Eltern waren jede freie Minute bei ihm in der Klinik. Ihr Herz zog sie hin zu ihrem neugeborenen Baby. Eine verletzliche Situation. In der Schwebe. Ungewissheit. Hoffnung. Die Liebe der Mutter und des Vaters haben dem kleinen Paul die Geborgenheit geschenkt und ihn mit Liebe umhüllt. Sein kleiner Körper wurde stärker und er hat sich wunderbar entwickelt. Viele Gebete haben den kleinen Paul auf seinem Weg begleitet. Heilsam in der Nähe Gottes. Gott ist liebende Mutter, liebender Vater für dich und für mich. Das ist die Osterbotschaft. Der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus steht für die lebendige Gegenwart dieser göttlichen Liebe. Gottes Herz verspürt ein starkes Ziehen zu seinen geliebten Menschen. In Gott hört die Lebendige zu, trägt in verletzlichen Situationen, leidet mit, schenkt Trost und heilsame Nähe, füllt das Herz mit Hoffnung. Das ist die Osterbotschaft. Maria ist losgelaufen und hat es ihren Geschwistern erzählt: „Jesus lebt. Gottes Liebe ist für alle da. Sein Herz zieht es zu dir hin.“